Ein Jahr nach seiner Einführung hat Vodafones Schutzsystem gegen betrügerische Anrufe eine beeindruckende Bilanz vorzuweisen. Wie das Unternehmen in Düsseldorf mitteilte, wurden bereits 64,5 Millionen Warnungen an Mobiltelefone versendet. Das System warnt Kunden auf dem Display mit der Aufschrift „Vorsicht: Betrug möglich“, wenn ein Anruf von einer Nummer kommt, die in einer Datenbank als unseriös oder betrügerisch geführt wird.
Positive Zwischenbilanz des Spam-Warners
Marcel de Groot, Deutschlandchef von Vodafone, zieht eine positive Zwischenbilanz: „Die Bedrohung im Netz und am Telefon ist ein ständiges Risiko. Täglich schützen wir so hunderttausende Menschen vor gefährlichen Betrugsanrufen.“ Dennoch betont er, dass keine Technologie die eigene Umsicht ersetzen könne: „Deshalb gilt für uns alle im Alltag: Genau prüfen, wer am anderen Ende der Leitung ist.“
Wenige gehen an den Hörer
Die Warnungen zeigen Wirkung: Nur 14 Prozent der Anrufe, bei denen die Spam-Warnung erscheint, werden tatsächlich angenommen. Zum Vergleich: Bei Anrufen mit unterdrückter Nummer liegt die Annahmequote bei 60 Prozent. Selbst wenn ein Gespräch zustande kommt, ist es kurz: Im Schnitt dauert ein Telefonat nach Spam-Warnung nur 40 Sekunden, während die durchschnittliche Gesprächsdauer bei Vodafone bei zwei Minuten und 40 Sekunden liegt.
Herkunft der Betrugsanrufe
83 Prozent der potenziellen Betrugsanrufe stammen aus Deutschland. Bei den restlichen Anrufen aus dem Ausland sind Nummern aus den Niederlanden, Österreich und Großbritannien häufig. Auch Zypern und das afrikanische Lesotho tauchen oft auf. Seit Dezember ist die Anzahl der verdächtigen Anrufe leicht rückläufig.
Betrüger machen sonntags Pause
Die meisten Betrugsanrufe gehen mittwochs ein: An diesem Tag schlug der Spam-Warner im Schnitt 273.000 Mal an. Sonntags waren es nur 5.000, samstags 44.000. Auch die Telekom, die ihr Schutzsystem „Call Check“ nennt, verzeichnet pro Werktag zwischen 400.000 und 600.000 mögliche Betrugsversuche. „Betrug ist ein Geschäftsmodell, und die Täter haben feste Arbeitszeiten, während sie es an Sonn- und Feiertagen locker angehen lassen“, erklärt ein Telekom-Sprecher. Zudem seien zu Weihnachten und Ostern Dellen in der Statistik erkennbar.
Neue Gefahren durch KI
Vodafone-Sicherheitsexperte Marc Atkins warnt vor der Weiterentwicklung der digitalen Bedrohungslage. „Kriminelle setzen Deepfakes und Künstliche Intelligenz ein, um am Telefon Stimmen nachzuahmen und das Vertrauen ihrer Gesprächspartner zu gewinnen.“ Telefonbetrug werde dadurch professioneller und schwerer zu erkennen. Besonders ältere Menschen seien gefährdet.



