Die Sicherheitslage an deutschen Bahnhöfen zeigt ein geteiltes Bild: Während die Gesamtzahl der Straftaten im Jahr 2025 zurückging, nahmen Angriffe auf Bahn-Beschäftigte zu. Dies geht aus einer Auswertung des Interessenverbands Allianz pro Schiene hervor, die auf der aktuellen Polizeilichen Kriminalitätsstatistik (PKS) basiert.
Rückgang der Straftaten an Bahnhöfen
Im vergangenen Jahr wurden an Bahnhöfen und Bahnanlagen rund 169.322 Straftaten registriert, darunter etwa 7.600 Gewaltdelikte. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Rückgang von jeweils sechs Prozent. Verbandsgeschäftsführer Dirk Flege wertet dies als Erfolg: „Das zeigt, dass der Einsatz von Sicherheitspersonal und Videotechnik wirkt.“ Er betont jedoch, dass weniger Kriminalität kein Selbstläufer sei und weiterhin durchdachte Konzepte erforderlich seien, damit sich Reisende zu jeder Tages- und Nachtzeit sicher fühlen.
Alkoholverbot als präventive Maßnahme
Ein wichtiger Schritt könne ein Alkoholverbot an Bahnhöfen sein, so Flege. Die Deutsche Bahn hat dieses zum 1. Mai an mehreren Stationen eingeführt, darunter am Berliner Zoologischen Garten und Ostbahnhof sowie am Hauptbahnhof Hannover. Ziel ist es, gewalttätige Übergriffe zu reduzieren und das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste zu stärken.
Besorgniserregender Anstieg der Angriffe auf Personal
Im Gegensatz zu den rückläufigen Straftaten insgesamt verzeichnet die Allianz pro Schiene einen alarmierenden Anstieg bei Attacken auf Beschäftigte der Deutschen Bahn und anderer Eisenbahnunternehmen. Die Zahl der Angriffe auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stieg zwischen 2024 und 2025 um elf Prozent auf knapp 2.690 Fälle. „Diesen Trend gilt es entschieden zu stoppen“, forderte Flege.
Tödlicher Angriff als Wendepunkt
Bundesweite Bestürzung löste Anfang Februar der tödliche Angriff auf einen Zugbegleiter in einer Regionalbahn in Rheinland-Pfalz aus. Bei einer Ticketkontrolle hatte ein Fahrgast den 36-jährigen Serkan Çalar mit Faustschlägen gegen den Kopf so schwer verletzt, dass er starb. Dieser Vorfall führte zu einer Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen bei der Deutschen Bahn.
Reaktionen der Deutschen Bahn
Die Deutsche Bahn hat als Konsequenz mehrere Maßnahmen ergriffen. Alle Beschäftigten mit Kundenkontakt im Regional- und Fernverkehr sowie an Bahnhöfen sollen auf freiwilliger Basis mit Bodycams ausgestattet werden – kleine Kameras an der Dienstkleidung, die in Konfliktsituationen aktiviert werden können. Zudem plant die Bahn die Einstellung von 200 zusätzlichen Sicherheitskräften. Die Ausweiskontrolle durch Kontrolleure soll künftig nach eigenem Ermessen möglich sein. Auf mehreren Regionalbahn-Linien in der Westpfalz wird zudem die Doppelbesetzung getestet, bei der zwei Zugbegleiter pro Zug eingesetzt werden.
Forderungen der Gewerkschaft
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) fordert die Doppelbesetzung bundesweit für alle Züge. Bund und Länder lehnen dies jedoch mit Verweis auf die Kosten ab. Die Diskussion um die Finanzierbarkeit von Sicherheitsmaßnahmen bleibt damit weiterhin aktuell.



