Neue Ermittlungen zu ungeklärten Mordfällen in Schwerin
Mehr als drei Jahrzehnte nach den brutalen Morden an Claudia Lade und Antje Mundstock in Schwerin gibt es möglicherweise einen entscheidenden Durchbruch in den Ermittlungen. Eine private Ermittlungsinitiative unter der Leitung des ehemaligen Chefs des Hamburger Landeskriminalamtes, Rainer Chedor, hat neue Hinweise vorgelegt, die auf eine Verbindung zu dem berüchtigten Serienmörder Kurt-Werner Wichmann hindeuten.
Die tragischen Fälle von 1991
Im Sommer 1991 wurden innerhalb weniger Wochen zwei junge Frauen in Schwerin ermordet. Claudia Lade starb im Juni, Antje Mundstock im Juli desselben Jahres. Trotz intensiver Ermittlungen der Polizei blieben beide Verbrechen unaufgeklärt. Die Täter konnten nie identifiziert werden, und die Familien der Opfer warteten seit 35 Jahren auf Antworten.
Nun könnte sich die Situation grundlegend ändern. Die private Ermittlungsinitiative um Rainer Chedor hat nach eigenen Angaben konkrete Anhaltspunkte dafür gefunden, dass Kurt-Werner Wichmann, der als sogenannter Göhrde-Mörder bekannt wurde, zum Zeitpunkt der Morde in Schwerin aktiv gewesen sein könnte.
Aussage einer Entführungsopferin als Schlüsselhinweis
Ein zentrales Element der neuen Ermittlungen ist die Aussage einer Frau, die im Sommer 1991 in Schwerin entführt und sexuell missbraucht wurde. Die damals junge Frau war nach einem Discobesuch an der Haltestelle „Platz der Freiheit“ von einem Mann mit einem Messer bedroht und in ein rotes Fahrzeug gezerrt worden.
„Er fuhr mit ihr in einen Waldweg, verging sich an ihr und ließ sie erst sechs Stunden später wieder frei“, schildert Chedor den Vorfall. Die Frau hatte die Tat damals nicht bei der Polizei angezeigt, sondern erst Jahrzehnte später ihre Geschichte dem Ermittlerteam erzählt.
Bei einer Gegenüberstellung von Fotos identifizierte sie Kurt-Werner Wichmann mit absoluter Sicherheit als ihren Peiniger. Chedor beschreibt die Reaktion der Frau als besonders eindringlich: „Beim Foto von Wichmann gab es eine körperliche Reaktion bei ihr. Sie hat gezittert und geweint.“ Diese physische Reaktion wertet der erfahrene Ermittler als wichtiges Indiz für die Glaubwürdigkeit ihrer Aussage.
Der mutmaßliche Serienmörder Kurt-Werner Wichmann
Kurt-Werner Wichmann, ein ehemaliger Friedhofsgärtner, gilt unter Experten als einer der gefährlichsten Serienmörder der deutschen Kriminalgeschichte. Fachleute gehen davon aus, dass er deutschlandweit mindestens 20 Morde begangen haben könnte, wobei die Opfer häufig Frauen waren.
Zu den bekanntesten Verbrechen, die ihm zugeschrieben werden, zählen:
- Zwei Doppelmorde im Sommer 1989 in der Göhrde in Niedersachsen
- Der gewaltsame Tod von Birgit Meier aus Lüneburg
- Mehrere ungeklärte Fälle im Münsterland und Hannover
Trotz dringenden Tatverdachts konnte Wichmann nie für einen Mord verurteilt werden. Zehn Tage nach seiner Verhaftung im Fall Birgit Meier beging der 43-Jährige 1993 in seiner Gefängniszelle Suizid.
Forderungen an die Behörden
Die private Ermittlungsinitiative fordert nun die zuständigen Behörden in Mecklenburg-Vorpommern auf, die neuen Erkenntnisse ernst zu nehmen und die Ermittlungen zu den Fällen Lade und Mundstock wieder aufzunehmen. „Mein Wunsch ist, dass die Polizei diese Ergebnisse ernst nimmt und sich kümmert“, betont Chedor.
Konkret schlägt das Team vor, vorhandene Asservate aus den Mordfällen auf Spuren von Kurt-Werner Wichmann untersuchen zu lassen. Die Initiative hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Spur des mutmaßlichen Serientäters weiter zu verfolgen und so zur Aufklärung zahlreicher ungeklärter Tötungsdelikte und Vermisstenfälle beizutragen.
Öffentliche Präsentation und Hoffnung auf weitere Hinweise
Am Samstag, den 25. April, will das Ermittlerteam seine Ergebnisse in Schwerin der Öffentlichkeit vorstellen. Dabei hoffen die Ermittler auch auf weitere Hinweise aus der Bevölkerung, die zur Aufklärung der jahrzehntealten Mordfälle beitragen könnten.
Bei der für die Fälle zuständigen Staatsanwaltschaft in Schwerin hat die Redaktion um eine Stellungnahme zu den neuen Ermittlungsergebnissen gebeten. Eine Antwort stand zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch aus. Die Familien der Opfer und die Öffentlichkeit warten gespannt darauf, ob diese neuen Hinweise endlich Licht in die dunklen Kapitel der Schweriner Kriminalgeschichte bringen können.



