Berliner Gefängnispersonal erhält mehr Schutz: Stichsichere Schals und zusätzliches Geld
Die Arbeit in Gefängnissen ist nicht nur herausfordernd, sondern mitunter auch gefährlich. Um das Personal in den Berliner Haftanstalten besser vor Gewalt durch Insassen zu schützen, ergreift die Justiz nun konkrete Maßnahmen. Mit zusätzlichen finanziellen Mitteln und innovativen Kleidungsstücken soll die Sicherheit der Bediensteten deutlich verbessert werden.
Zusätzliches Geld und innovative Schals im Test
Die Senatsjustizverwaltung hat jeder Vollzugsanstalt in Berlin jeweils 10.000 Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt, um die Schutzausrüstung zu verbessern. Parallel dazu wird aktuell ein sogenannter stichsicherer Schal in der Justizvollzugsanstalt Moabit erprobt. Einige Bedienstete testen dieses spezielle Kleidungsstück unter realen Bedingungen, um Erfahrungen zu sammeln. Basierend auf diesen Erkenntnissen soll entschieden werden, ob solche Schals künftig standardmäßig zur Ausrüstung gehören.
Bestehende Schutzmaßnahmen und neue Herausforderungen
Zur aktuellen Schutzausrüstung zählen bereits Westen, Handschuhe, Helme und Schutzschilde, die insbesondere bei planbaren Einsätzen zum Tragen kommen, wenn mit Gewalt von Insassen gerechnet wird. Für spontane Übergriffe sind die Bediensteten mit Funkgeräten ausgestattet, um schnell Kolleginnen und Kollegen zu Hilfe rufen zu können. Je nach Lage können auch Pfefferspray und Hiebwaffen eingesetzt werden.
Die Rechtsexperten der Fraktionen im Abgeordnetenhaus wollen heute im Rechtsausschuss die Situation des Personalschutzes im Justizvollzug thematisieren. Dabei geht es nicht nur um technische Ausrüstung, sondern auch um Präventionsmaßnahmen und Fortbildungen für die Beschäftigten in den sieben Haftanstalten des Landes sowie der Berliner Jugendarrestanstalt.
Hintergrund: Personal- und Insassenzahlen sowie vergangene Vorfälle
Nach Angaben der Justiz waren Ende des vergangenen Jahres rund 2.740 von 2.930 Stellen in den Berliner Gefängnissen besetzt. Im Jahr 2025 verbüßten insgesamt 8.667 Menschen eine Haftstrafe in der Hauptstadt. Die Sicherheitsmaßnahmen gewinnen vor dem Hintergrund vergangener Vorfälle an Bedeutung: Brände vor und im Umfeld von Berliner Gefängnissen, bei denen Fahrzeuge von Beschäftigten beschädigt oder zerstört wurden, hatten für Schlagzeilen gesorgt.
Im März wurden zwei Mitglieder einer bekannten arabischen Großfamilie für einige dieser Fälle zu Haftstrafen verurteilt. Als Reaktion darauf hat die Justiz den Schutz erhöht. So dürfen Bedienstete bei Spät- und Nachtdiensten sowie an Wochenenden ihre Fahrzeuge auf dem Anstaltsgelände parken, sofern der Platz es zulässt. Diese Maßnahme soll zusätzliche Sicherheit bieten und die Gefahr von Angriffen außerhalb der Anstalten minimieren.



