Virtuelles Praktikum: Hamburger Strafvollzug wirbt mit Game um Personal
Hamburg wirbt mit Gefängnis-Spiel um Personal

Hamburg – Auf den ersten Blick erinnert das Spiel „Vollzughelden“ an ein klassisches Gameboy-Spiel aus den Neunzigern. Doch die Hamburger Justizbehörde verfolgt damit ein ernstes Ziel: Sie will neue Mitarbeiter für den Strafvollzug begeistern und mit diesem digitalen Werkzeug Bewerber anwerben.

Warum ein Spiel?

„Wir wollen Jobinteressierten spielerisch einen Einblick in die Aufgabenvielfalt des allgemeinen Justizvollzugsdienstes geben, weil ein Praktikum nur in bestimmten Fällen möglich ist“, erklärt Sprecher Dennis Sulzmann. Die Zahl der Bewerbungen sei bereits gestiegen, und Nordrhein-Westfalen nutze ein ähnliches Konzept.

So funktioniert „Vollzugshelden“

Im Spiel steuert der Nutzer einen Avatar als virtuellen Praktikanten durch verschiedene Abteilungen einer Justizvollzugsanstalt. Überall gibt es Erklärungen: „Hier habe ich geregelte Arbeitszeiten und großen Anteil an der Resozialisierung der Gefangenen“, schwärmt ein Avatar in der Gefängnis-Tischlerei. Ein Häftling sagt: „Weißt du, ich hab‘ im Küchenbereich hier drin so viel gelernt, das hätt‘ ich nie für möglich gehalten. Sobald ich draußen bin, werde ich in einer Kantine anfangen.“

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Optisch erinnert die Szenerie an ein Pokémon-Spiel. Auffälligstes Detail ist ein Häftling mit Irokesen-Frisur, ansonsten herrscht bei „Vollzugshelden“ eher Langeweile. Die Realität sieht jedoch anders aus.

Realität im Hamburger Strafvollzug

Im Vollzugsdienst in Hamburg sind von 1130 Stellen derzeit rund 100 unbesetzt. Gleichzeitig sind mehrere der sechs Hamburger Gefängnisse überbelegt. Im Untersuchungsgefängnis sitzen zurzeit 503 Männer ein, 41 zu viel. Die Untersuchungshaftanstalt liegt im Herzen der Stadt und ist stark überbelegt. Immer wieder müssen Häftlinge zusammen auf eine Zelle, andere werden vorübergehend in der JVA Waldeck bei Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) untergebracht. Die Folge: Die Nerven liegen blank, es kann jederzeit eskalieren.

Im Spiel „Vollzugshelden“ ist dagegen alles friedlich: Nur sieben Häftlinge, und alle sagen „Danke“ und „Bitte“. Ein Justizvollzugsmitarbeiter kommentiert gegenüber BILD: „Das ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten, aber es passt zum Kindergarten Justiz.“

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