Hochstaplerin unterrichtete jahrelang ohne Qualifikation
Eine Frau hat über Jahre hinweg an Privatschulen unterrichtet, obwohl sie über keinerlei pädagogische Ausbildung verfügte. Carolin L. (41) täuschte ihre Arbeitgeber mit gefälschten Universitätsabschlüssen und erschlich sich so ein üppiges Gehalt. Der Gesamtschaden durch ihren Betrug beläuft sich auf mehr als 250.000 Euro.
Gerichtsverfahren in Heidelberg enthüllt Betrugssystem
Am Landgericht Heidelberg stand die 41-Jährige nun wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Urkundenfälschung vor Gericht. Während der Verlesung der Anklage hielt sie sich schamhaft die Hände vor das Gesicht. Als angebliche Lehrerin hatte sie die Fächer Mathematik, Chemie und Physik unterrichtet, wobei sie das für diese Position erforderliche Uni-Zeugnis gefälscht hatte.
Laut Anklage erhielt Carolin L. zwischen Mai 2021 und Oktober 2024 rund 200.000 Euro Bruttolohn vom Heidelberg College. Erst als sie dort wegen gefälschter Krankmeldungen aufflog, wurde ihr gekündigt. Anschließend heuerte sie im Januar 2025 am Johanneum-Gymnasium in Homburg (Saarland) an, wo sie bis April arbeitete und weitere 11.000 Euro Bruttolohn kassierte.
Kreditantrag führte zur Enttarnung der Hochstaplerin
Der Schwindel flog schließlich auf, als Carolin L. bei ihrer Bank einen Kredit über 25.000 Euro beantragte. Ein aufmerksamer Mitarbeiter bemerkte, dass ihre vorgelegten Gehaltsnachweise gefälscht waren, um ein höheres Einkommen vorzutäuschen. Die daraufhin eingeleiteten Ermittlungen brachten zutage, dass es ihr bereits bei einer weiteren Bank gelungen war, einen Kredit in Höhe von 30.000 Euro zu erschleichen.
Emotionales Geständnis vor Gericht unter Tränen
Vor der Kammer unter Vorsitz von Richter Dr. Markus Krumme legte die Angeklagte ein umfassendes Geständnis ab. Unter Tränen schilderte sie ihre persönliche Geschichte: „Ich hatte eine schöne Kindheit, war Klassenbeste am Gymnasium und machte mein Abitur mit der Note 1,3. Doch der Mensch, den Sie hier sehen, hat sich vor 20 Jahren verloren.“
Sie berichtete von familiären Belastungen, darunter der Tumorerkrankung ihres Bruders, als sie 16 Jahre alt war, sowie Depressionen ihrer Eltern und ihrer eigenen Magersucht. „Nachdem ich im Studium bei der ersten Mathematik-Klausur versagt hatte, löste dies eine katastrophale Veränderung aus. Ich fühlte mich nutzlos, wurde depressiv und medikamentenabhängig“, so die Angeklagte.
Weiter erklärte sie: „Alle in meiner Familie waren Lehrer. Ich hatte daher den Druck, das Gleiche erreichen zu müssen. Die Tabletten gaben mir das Gefühl von Unbesiegbarkeit und ich bekam von Eltern und Schülern ein Gefühl der Anerkennung. Heute bin ich unfassbar ungläubig, wie ich das überhaupt machen konnte, und empfinde extreme Scham.“
Der falschen Lehrerin droht eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren. Das Gerichtsverfahren wird fortgesetzt.



