Drogen im Abwasser: Expertenrunde in Neustrelitz diskutiert Cannabis und Jugendschutz
Drogen im Abwasser: Experten diskutieren Jugendschutz in Neustrelitz

Drogen im Abwasser: Expertenrunde in Neustrelitz diskutiert Cannabis und Jugendschutz

Im Gymnasium Carolinum in Neustrelitz fand kürzlich eine hochkarätige Expertenrunde statt, die sich mit den alarmierenden Drogenwerten im Abwasser der Region auseinandersetzte. Eingeladen vom Lionsclub Mecklenburg-Strelitz und dem Schulverein des Gymnasiums, versammelten sich Fachleute aus Medizin, Politik, Suchtberatung und Polizei, um über Cannabis und Jugendschutz zu diskutieren. Die Veranstaltung zog etwa 70 Interessierte, darunter Eltern und Jugendliche, an und offenbarte dringenden Handlungsbedarf.

Medizinische und polizeiliche Perspektiven im Fokus

Dr. Annette Viktoria Hinze, Apothekerin und Referentin im Bundesministerium für Gesundheit, erläuterte die aktuellen Entwicklungen rund um Cannabis. Dr. Sven Armbrust, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in Neubrandenburg, beleuchtete die medizinischen Risiken der Legalisierung und Drogensucht in der Region. Psychologen, Suchtberater und Polizisten des Reviers Neustrelitz gaben Einblicke in ihren Berufsalltag und schilderten die Herausforderungen im Umgang mit drogenabhängigen Jugendlichen.

Polizeidienstgruppenführer Gunnar Carsten betonte, dass die Polizei nach der Cannabis-Legalisierung oft die Hände gebunden seien. Lange habe es gedauert, bis Grenzwerte für das Führen eines Fahrzeugs gesetzlich festgelegt wurden. „Wohnungen können auch bei Verdacht nicht durchsucht werden“, erklärte Carsten. Jugendliche konsumierten Drogen an Hotspots wie dem Glambecker See, in der Nähe eines Imbisses und nach Öffnung des Sportplatzes am Carolinum.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Forderungen nach mehr Jugendclubs und Schulsozialarbeitern

Besonders gefährlich sei der Cannabiskonsum bei Jugendlichen in der Pubertät, da sich das Gehirn bis zum 25. Lebensjahr entwickle. „Viele Jugendliche konsumieren nur aus Langeweile“, stellte Carsten fest. Daher wurden fehlende Jugendclubs mit Abendöffnungszeiten kritisiert. Stadtpräsident Max Odebrecht befand, Sportvereine seien die beste Möglichkeit, um Jugendliche von Drogen fernzuhalten.

Ferner wurde der Mangel an Schulsozialarbeitern in der Seenplatte stark angeprangert. Gerade einmal zwei Schulen im gesamten Landkreis hätten einen Schulsozialarbeiter. Den Jugendlichen fehle es an ausgebildeten Ansprechpartnern, und auch bei der Beratung und Suchthilfe werde gespart. Dies unterstreicht die Dringlichkeit, ein Netzwerk aus Schulsozialarbeitern, Polizisten, Suchtberatern und Politikern aufzubauen.

Drogenvielfalt und ihre Auswirkungen auf die Pubertät

Dr. Sven Armbrust verdeutlichte die Auswirkungen des Drogenkonsums auf die Pubertät, die bei den meisten Jugendlichen mit 14 oder 15 Jahren beginnt. Mittlerweile gebe es 81 Drogentypen, die geraucht, geschluckt, geschnieft oder gespritzt werden. In Neustrelitz und Neubrandenburg seien Amphetamine und Cannabis vorherrschend, aber auch Ketamin, normalerweise zur Narkose eingesetzt, wurde im Abwasser gefunden.

Annette Viktoria Hinze klärte über die Wirkungen von Cannabis auf, die je nach Sorte variieren. Die Sativa-Variante wirke anregend und konzentrationsfördernd, während Indica zur Muskelentspannung und Schmerzlinderung beitrage. Medizinisches Cannabis werde beispielsweise bei Epileptikern eingesetzt. Besonders die Blüten weiblicher Pflanzen hätten einen hohen THC-Gehalt, und der Anbau erfolge normalerweise in äquatorialen Ländern.

Ein gesamtgesellschaftliches Problem erfordert gemeinsame Lösungen

Die Vortragsreihe hinterließ bei vielen Eltern und Jugendlichen ein aufgeklärtes Verständnis für Drogenarten, Gefahren und Risiken. Deutlich wurde, dass es sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem handelt, das alle Schichten betrifft. Nur durch Aufklärung und ein kooperierendes Netzwerk kann den hohen Drogenwerten in Neustrelitz und Neubrandenburg entgegengewirkt werden.

Ein erster Schritt wäre die medizinische Aufklärung an Schulen, die über Flyer hinausgehen müsse. Dr. Armbrust wurde gebeten, seinen Vortrag in kindgerechter Form auch vor Schülern des Gymnasiums zu halten. Diese Maßnahmen unterstreichen die Notwendigkeit, präventiv zu handeln und Jugendliche frühzeitig zu schützen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration