Camping-Urlaub in Gefahr: Kriminelle nutzen Betäubungsgase für Einbrüche in Wohnmobile
Die neue Camping-Saison steht bevor, doch mit ihr drohen auch neue Gefahren für Urlauber. Kriminelle sollen bei Einbrüchen in Wohnmobile und Zelte sogar Betäubungsgase einsetzen, um ihre Opfer wehrlos zu machen. Ein Szenario, das wie aus einem Action-Thriller klingt, wird in der Realität zunehmend zum Problem.
Einbruchsschutz: Mechanische Sicherungen und elektronische Warnsysteme
Wohnmobile erfreuen sich in Deutschland großer Beliebtheit, doch die Freiheit auf Rädern birgt erhebliche Risiken. Campingfahrzeuge sind für Einbrecher ein besonders attraktives Ziel, da Reisende oft Geld und Wertgegenstände mitführen. Polizeioberkommissar Uwe Kaatz aus Rostock betont: „Campingfahrzeuge sind letztlich auch nur ein Haus auf Rädern.“ Einfache Sicherheitsmaßnahmen können hier bereits schlimme Überraschungen verhindern.
Der Polizist, der für die kriminalpolizeiliche Prävention zuständig ist, stellt klar: „Mechanik verhindert, Elektronik meldet.“ Zu den mechanischen Schutzmaßnahmen gehören beispielsweise der Einbau von Stahlplatten, da Einbrüche häufig über die Fahrertür erfolgen. Neben der Sicherung der Außenhaut ist auch das eigene Verhalten entscheidend. Kaatz warnt: „Leichtsinniges oder unbedachtes Verhalten ermöglicht oft erst den Einbruch.“
Betäubungsgase: Ein reales Risiko für Camping-Urlauber
Besonders besorgniserregend sind Berichte über den Einsatz von Betäubungsgasen. Viele Einbruchsopfer vermuten, dass sie nachts mit solchen Gasen ausgeknockt wurden. Marcus Müller vom Autohaus Gebrüder Müller in Tessin bestätigt solche Fälle. In seinem Betrieb werden spezielle Alarmanlagen für Wohnmobile verkauft, die per Bluetooth und Mobiltelefon steuerbar sind. Dazu gehören auch Gaswarnsysteme, die nicht nur vor Propan und Butan warnen, sondern auch vor Narkosegasen.
Die Warnsysteme seien äußerst empfindlich, berichtet Müller. Ein Bekannter von ihm soll in Italien mithilfe von Narkosegas ausgeraubt worden sein. „Er hatte am nächsten Tag Kopfschmerzen“, so Müller. Die Kosten für ein solches Gaswarnsystem liegen bei etwa 500 Euro.
Medizinische Expertise bestätigt die Gefahr
Anästhesist Dr. Gernot Rücker von der Universitätsmedizin Rostock erklärt: „Es ist schon realistisch, dass es zu solchen Taten in Campingfahrzeugen kommen kann.“ Es gebe Narkotika, die dafür genutzt werden könnten. Diese seien flüssig, verdampften beim Auskippen und ließen die Betroffenen tiefer schlafen.
Polizist Kaatz warnt: Wenn es zu solchen Gasangriffen kommt, hätten die Kriminellen „alle Zeit der Welt, das Fahrzeug aufzubrechen und auszurauben“. In Mecklenburg-Vorpommern sei dies zwar eher kein Thema, dafür aber in Urlaubsregionen wie Skandinavien, Südfrankreich und dem Mittelmeerraum.
Rechtliche Konsequenzen und Präventionsempfehlungen
Oberstaatsanwalt Harald Nowack aus Rostock betont, dass solche Taten mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden könnten. „Es dürfte sich dann um einen Wohnungseinbruchsdiebstahl handeln“, erklärt er. Bisher seien derartige Vorfälle im Raum Rostock jedoch nicht bekannt.
Polizeioberkommissar Kaatz rät Camping-Urlaubern dringend zu folgenden Maßnahmen:
- Informieren Sie sich über den Standort Ihres Fahrzeugs
- Nutzen Sie bevorzugt größere, offizielle Campingplätze
- Verwenden Sie mechanische Sicherungen wie Stahlplatten
- Erwägen Sie den Einsatz elektronischer Warnsysteme
Die Hauptzeit für Einbrüche in Campingfahrzeuge beginnt jetzt mit der wärmeren Jahreszeit. In den Wintermonaten stehen die Fahrzeuge meist sicher in Hallen. Die Täter zielen vor allem auf Handtaschen, Bargeld, Kreditkarten und andere wertvolle Gegenstände ab – es geht um das schnelle Geld.
Camping-Urlauber sollten sich dieser Gefahren bewusst sein und entsprechende Vorkehrungen treffen, um ihren Urlaub unbeschwert genießen zu können.



