Betrug mit Bücherverkäufen in der Uckermark: Polizei warnt vor falscher Scham der Opfer
Bücherbetrug in Uckermark: Polizei warnt vor falscher Scham

Betrug mit Bücherverkäufen in der Uckermark: Polizei warnt vor falscher Scham der Opfer

In der Uckermark stapeln sich die Betrugsfälle mit angeblich lukrativen Buchverkäufen, bei denen die Opfer teils fünf- und sechsstellige Summen verlieren. Die Polizei in Brandenburg ruft zu erhöhter Wachsamkeit auf und warnt eindringlich vor falscher Scham, die viele Geschädigte davon abhält, Anzeige zu erstatten.

Rentnerpaar verliert sechsstellige Summe durch falsche Versprechen

Zuletzt zeigte in dieser Woche ein Ehepaar aus der Region einen derartigen Fall bei der Polizei an. Die beiden Rentner wollten eine Büchersammlung veräußern, was eine angebliche Vermittlungsfirma mit Sitz in Düsseldorf auf den Plan rief. Roland Kamenz, Pressesprecher der Polizeidirektion Ost in Frankfurt (Oder), schildert: „Die angeblichen Mitarbeiter versicherten dem Ehepaar, einen Käufer gefunden zu haben. Für die Abwicklung des Geschäftes sei jedoch eine Digitalisierung der Sammlung vonnöten.“ Das falsche Versprechen: Die Kosten dafür sollte das Ehepaar tragen und nach dem Verkauf umgehend zurückerhalten.

Mit viel Überzeugungskunst gelang es den Betrügern, die Senioren dazu zu bringen, eine sechsstellige Geldsumme zu überweisen. Danach war die sogenannte Vermittlungsfirma nicht mehr erreichbar. Die Kriminalpolizei versucht nun intensiv, die Hintermänner zu finden und die Geldflüsse nachzuverfolgen.

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Verschiedene Betrugsmaschen im Umlauf

Solche Betrügereien um vermeintlich hochwertige Büchersammlungen beschäftigen die Ermittler bereits seit längerer Zeit. Die Betrüger nehmen häufig persönlichen Kontakt mit den späteren Geschädigten auf und erzeugen stets einen seriösen Eindruck. Polizeisprecher Kamenz erklärt: „Es gelingt ihnen, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen und durch geschickte Argumentation den Eindruck zu vermitteln, dass die zum Verkauf stehenden Bücher sehr hochwertig wären.“

Die Geschäfte laufen nach aktuellen Ermittlungserkenntnissen unterschiedlich ab:

  • Opfer sollen hohe Geldsummen bezahlen, damit ihre Bände in einem Register erfasst werden
  • Kautionen oder Notarkosten müssen im Vorfeld gezahlt werden
  • Es wird suggeriert, dass durch Ergänzungsbände der Wert der Sammlung maßgeblich gesteigert werden kann

Wenn erst einmal Geld an die Betrüger überwiesen wurde, reißt der Kontakt in der Regel ab. Nicht selten wurden dann bereits fünf- oder sechsstellige Beträge gezahlt.

Aktuelle Fälle in der Uckermark zeigen alarmierende Muster

Die Polizei nennt konkrete aktuelle Fälle in der Uckermark, die das Ausmaß des Problems verdeutlichen:

  1. In Schwedt konnten Familienangehörige gerade noch verhindern, dass eine 85-jährige Seniorin einen vierstelligen Geldbetrag überwies. Zwei unbekannte Personen hatten die Rentnerin im Februar dazu gedrängt, weil sie ihr angeblich Bücher abkaufen wollten.
  2. Im März wurde der Polizei ein Fall bekannt, bei dem eine 61-Jährige im Zuge eines Buchverkaufs sogar einen Kredit aufgenommen und anschließend einen fünfstelligen Geldbetrag überwiesen hatte.
  3. Bereits mehrfach hätten Opfer sich zuvor sogar Geld geliehen, um in sogenannte Vorleistung zu gehen, so die polizeilichen Erkenntnisse.

Falsche Scham verhindert oft Anzeigen

„Für die Opfer ist es oft schwer, sich einzugestehen, dass sie betrogen worden sind“, spricht Polizeisprecher Kamenz aus langjähriger Erfahrung. Neben dem finanziellen Schaden grämen sich die Geschädigten, den Betrügern gutgläubig vertraut und das Geld anvertraut zu haben. Diese falsche Scham führt dazu, dass viele Betrugsfälle gar nicht erst zur Anzeige gebracht werden.

Ein positives Beispiel zeigt jedoch, dass Wachsamkeit sich lohnen kann: Im September 2025 erzeugte ein 75-Jähriger bei seiner Bank Misstrauen, als er einen Kredit für einen angeblichen Buchverkauf beantragte. Im Gespräch zur Kreditvermittlung wurde er auf eine mögliche Betrugsstraftat hingewiesen und erstattete schließlich Anzeige. Ein finanzieller Schaden konnte so verhindert werden.

Polizei gibt konkrete Ratschläge für mehr Sicherheit

Die Polizei empfiehlt dringend, immer skeptisch zu bleiben, wenn sehr hohe Gewinn- oder Verkaufserlöse in Aussicht gestellt werden:

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  • Informieren Sie sich umfassend, ob vermeintliche Vermittlungsfirmen oder Geschäftspartner seriös sind oder bereits wegen Betrugshandlungen bekannt sind
  • Versuchen Sie, objektiv zu bleiben und ziehen Sie Angehörige oder Vertrauenspersonen zu Rate
  • Holen Sie sich alternative Angebote ein, indem Sie Dinge, die Sie verkaufen wollen, durch Antiquariate in Ihrer Nähe schätzen lassen
  • Hinterfragen Sie die Sinnhaftigkeit und Höhe von Gebühren, die Sie zahlen sollen
  • Überweisen Sie keine großen Geldbeträge an Ihnen unbekannte Personen

Wichtig ist auch: Ist der schlimmste Fall erst einmal eingetreten, sollte falsche Scham nicht davon abhalten, über den Betrug zu sprechen. Denn nur so bleiben andere Menschen wachsam, und vielleicht kann die Polizei dieses betrügerische Kapitel irgendwann einmal erfolgreich abschließen.