Deutsche Bahn: Verlieren Tauben durch Füttern ihre Instinkte?
Bahn: Verlieren Tauben durch Füttern ihre Instinkte?

Streit um Taubenfütterung: Deutsche Bahn warnt vor Instinktverlust

Ein Bahnsteig, Hektik, Menschenströme – und mittendrin picken Tauben nach Krümeln. Genau dieses Bild will die Deutsche Bahn ändern. Mit Plakaten warnt sie: Wer Tauben füttert, schade den Tieren – sie könnten sogar ihre Instinkte verlieren. Eine umstrittene These, die Kritik ausgelöst hat.

Bahn investiert Millionen in Sauberkeit und Sicherheit

Für die Deutsche Bahn geht es vor allem um Sauberkeit und Sicherheit, wie eine Bahnsprecherin auf Anfrage erklärt. Taubenkot und große Schwärme sollen Reisende nicht belästigen. Dafür investiert der Konzern jährlich einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in Reinigung und Maßnahmen zur Eindämmung der Population.

Futterverbot in Bahnhöfen

Zu den Maßnahmen zählen auch Taubenhäuser, allerdings nur unter strengen Bedingungen, etwa mit ausreichend Abstand zu Oberleitungen und ohne Beeinträchtigung von Reisenden. Zudem müssen Betreuung und artgerechte Fütterung sichergestellt sein. In Bahnhöfen gilt ein klares Verbot: Tauben füttern ist untersagt. Laut Bahn sollen Tiere so gar nicht erst angelockt werden. Bahnhöfe seien wegen Publikumsverkehr und Gefahren durch den Zugbetrieb kein geeigneter Lebensraum – insbesondere nicht für Jungtiere.

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Streit um die Instinkte

Kern der Kritik ist die Begründung der Kampagne. Die Bahn beruft sich auf wissenschaftliche Arbeiten und Fachmeinungen. Demnach kann regelmäßiges Füttern dazu führen, dass Tauben ihre natürlichen Verhaltensweisen verändern und sich stärker an Futterquellen binden. Der Deutsche Tierschutzbund hält die Aussage für nicht belegt und widerspricht deutlich. Tauben suchten aus Überlebensdrang weiterhin nach Nahrung. Auch nach Fütterungsverboten verhungerten sie nicht, sondern wichen auf Müll und Essensreste aus.

Verbote sind nicht mehr zeitgemäß

Der Verband kritisiert zudem, dass viele Fütterungsverbote aus seiner Sicht nicht mehr zeitgemäß seien. Ohne alternative, tierschutzgerechte Lösungen seien sie weder effektiv noch nachhaltig. Gleichzeitig betont auch der Tierschutzbund: Unkontrolliertes Füttern – vor allem mit ungeeignetem Futter – kann Probleme verschärfen und die Arbeit von Tierschutzprojekten behindern.

Was wirklich helfen soll

Als langfristige Lösung gelten betreute Taubenhäuser. Dort werden die Tiere mit geeignetem Futter versorgt, an feste Orte gebunden und ihre Fortpflanzung durch den Austausch von Eiern kontrolliert. Nach Einschätzung des Tierschutzbundes ist dies die nachhaltigste und tierschutzgerechteste Möglichkeit, die Population zu regulieren und Konflikte in Städten zu reduzieren.

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