Im Fall des Vaters Jens Schröder, der das Land Brandenburg wegen Unterrichtsausfalls verklagen will, gibt es eine überraschende Entwicklung. Der Vater eines Schülers am Prenzlauer Gymnasium hatte angekündigt, vor das Verfassungsgericht zu ziehen, weil der Physikunterricht in den 8. und 9. Klassen seit Februar ausfällt. Nun informierte die Schule die Eltern, dass der Physikunterricht in allen vier Klassenstufen gesichert sei – allerdings nicht durch einen neuen Lehrer, sondern durch den einzigen verbliebenen Physiklehrer.
Hintergrund des Falls
Am 20. Februar dieses Jahres teilte der Schulleiter den Eltern mit, dass in diesem Halbjahr in den Jahrgangsstufen 8 und 9 kein regulärer Physikunterricht stattfindet. Grund war ein erkrankter Physiklehrer. Jens Schröder forderte daraufhin Distanzunterricht in Präsenz und kündigte eine Klage an. Er wirft dem Land vor, seinen Pflichten nicht nachzukommen.
Überraschende Lösung
Am Mittwochabend informierte die Schule die Eltern, dass der Physikunterricht nun gesichert sei. Die Kapazitäten entstehen, weil die 12. Klasse mitten in den Abiturprüfungen steckt und keinen Physikunterricht mehr besucht. Jens Schröder zeigt sich erleichtert für die Schüler, fühlt sich aber veräppelt: „Ich hatte am 13. April ein Gespräch mit dem Schulleiter, und dort erfuhr ich, dass ab dem 18. Mai ein weiterer Physiklehrer seine Arbeit aufnehmen werde. Davon ist jetzt keine Rede mehr.“ In einer E-Mail der Schulleitung heißt es: „Wir stehen weiter in engem Kontakt mit dem Schulamt, um, auch kurzfristig, einen weiteren Physiklehrer einstellen zu können. Unser Ziel ist es, ausgefallenen Unterricht nachzuholen.“
Arbeitsbelastung für einen Lehrer
Aus Sicht von Jens Schröder benötigt die Schule dringend einen weiteren Lehrer, weil die Arbeitsbelastung für den einzigen Physiklehrer enorm ist. „Wenn er auch noch ausfällt, haben wir gar keinen mehr. Er unterrichtet nicht nur Physik, sondern auch Mathematik.“ Schulleiter Ludger Melters betont, man bemühe sich, den Unterrichtsausfall gering zu halten: „Vertretungen und Mehrarbeiten werden mit den Kollegen im Vorfeld abgesprochen, um eine Überbelastung zu verhindern.“
Schulleiter äußert sich
Ursprünglich favorisierte Melters eine Lösung, bei der die Klassen statt der ausgefallenen Physikstunde eine zusätzliche Mathematikstunde erhalten sollten. „So hätte ich die Belastung auf mehrere Lehrkräfte verteilt und zugleich meine Linie verfolgt, Deutsch, Mathematik und Englisch zu priorisieren. Durch die Intervention von Herrn Schröder entschied ich mich kurzfristig, statt einer fünften Mathematikstunde die ausgefallene Physikstunde selbst zu erteilen – auch wenn das die einzige Lehrkraft im Fach Physik einseitig belastet.“
Klage bleibt bestehen
Jens Schröder wartet noch auf eine Rückmeldung vom staatlichen Schulamt. Die Frist läuft am 4. Mai ab; bis dahin erwartet er einen Rechtsmittelbescheid für seine geplante Klage vor dem Verwaltungsgericht. „Der Staat hat Pflichten, die er erfüllen muss. Es gibt ein Recht auf Bildung. Wir wollen ein Grundsatzurteil. Wenn der Staat seit drei Legislaturperioden immer wieder versäumt, den Unterricht zu garantieren, muss ein Urteil festlegen, dass Eltern auf Kosten des Staates einen Privatlehrer engagieren können.“
Antrag statt Beschwerde
Der Elternvertreter hat dem Schulamt mitgeteilt, dass es sich nicht um einen Beschwerdebrief, sondern um einen Antrag handelt. Er will zum einen das Recht auf Distanzunterricht bei Lehrerausfall durchsetzen und zum anderen ermöglichen, dass Eltern einen Privatlehrer auf Kosten des Landes engagieren können, wenn die Schule keinen Unterrichtsstoff vermittelt.
Bildungsministerium und Statistik
Das Bildungsministerium liefert für dieses Halbjahr keine aktuellen Zahlen; es erfasst die Daten nur halbjährlich. Allerdings sind diese Zahlen nicht repräsentativ, denn wenn Lehrkräfte statt Physik ein anderes Fach unterrichten, wertet die Statistik das nicht als Ausfall. Jens Schröder möchte mit seinem Vorstoß zeigen, dass man für einen Rechtsanspruch kämpfen und ihn gegebenenfalls auch einklagen muss. „Das macht eben Demokratie aus.“ Schulleiter Ludger Melters sieht das anders: „Mit seiner Klage hilft Herr Schröder mir in meiner Arbeit nicht.“



