Dresden verhängt Wasserentnahmeverbot: Hitzewelle und Trockenheit bedrohen Grundwasser
Dresden verhängt Wasserentnahmeverbot wegen Hitzewelle

Die sächsische Landeshauptstadt Dresden hat ein Wasserentnahmeverbot verhängt. Grund sind die anhaltende Hitze, Trockenheit und Niedrigwasser in Bächen und Flüssen. „Die Entscheidung sei getroffen worden, um den Naturhaushalt zu schützen“, erklärte der Leiter des Dresdener Umweltamts. Das Verbot gilt für die Entnahme von Wasser aus oberirdischen Gewässern – selbst das „Schöpfen mit Handgefäßen“ ist untersagt. Bei Verstößen drohen Bußgelder.

Hitzewelle trifft auf Dürrebedingungen

Die aktuelle Hitzewelle in Europa betrifft Regionen im Osten und Süden Deutschlands, wo bereits Dürrebedingungen herrschen und die Bodenfeuchte zu gering ist. Fachleute bewerten die Lage: „In Dürrephasen oder Hitzewellen ist Wassersparen geboten, wenn die Wasserversorgung dazu aufruft“, sagte Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig dem Science Media Center (SMC).

„In der aktuellen Hitzeperiode kommt die technische Grenze der Wasserversorgung hinzu“, ergänzte der Leiter des Dürremonitors. Wasser werde schneller nachgefragt, als es gefördert und transportiert werden könne. „Im schlimmsten Fall können Haushalte zeitweilig nur eingeschränkt versorgt werden“, so Marx. Weit von Speichern entfernte Haushalte könnten sogar ganz ohne Versorgung dastehen.

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Ursachen: Trockener Winter und ausbleibende Niederschläge

Im vergangenen Winter sind die Grundwasserstände weniger stark gestiegen als im langjährigen Durchschnitt. Im Frühjahr fielen dann etwa 30 Prozent weniger Niederschlag als üblich. „Die aktuelle Dürre ist ein Resultat der ungewöhnlichen Niederschlagsarmut der vergangenen etwa acht Monate“, sagte Marx.

Die Defizite werden nach den derzeitigen Wetterprognosen auch vorerst nicht durch Niederschläge ausgeglichen. Eine Hitzeglocke über West- und Mitteleuropa hält wie eine Kuppel Wolkenbildung und Niederschläge ab. Darunter trocknet hohe Verdunstung die Böden weiter aus. Oberflächennahe Grundwasserstände sinken zudem wegen des erhöhten Wasserbedarfs der Vegetation.

Klimawandel begünstigt frühe Hitzewellen

„Dass es schon im Juni zu sehr starken Hitzewellen, verbunden mit Trockenheit, kommt, sei klimatologisch eher selten“, sagte Stefan Kollet vom Forschungszentrum Jülich dem SMC. „Durch den Klimawandel können sie jedoch häufiger schon am Sommeranfang auftreten.“ Der Leiter der Forschungsgruppe „Integrierte Modellierung terrestrischer Systeme“ hält es für möglich, dass Werte der Dürresommer 2018, 2019, 2020 und 2022 in diesem Sommer noch übertroffen werden könnten.

Zwar zeige die Modellierung wegen der Niederschläge der letzten Wochen nur leichte Defizite in bis zu zwei Meter Tiefe. Aber: „Es gibt eine klare Tendenz zur Verstärkung dieser Defizite während des Sommers.“ Für die knappen Grundwasserressourcen tiefer im Boden sieht auch er im vergleichsweise trockenen Winterhalbjahr die Ursache – nicht in der aktuellen Hitze. „Aus der Perspektive der Wasserversorgung bedeutet das, dass sich die Stresssituation 2026 verlängert, in der sich die Grundwasserbewirtschaftung seit vielen Jahren befindet.“

Ein wiederkehrendes Wetterphänomen

Thomas Riedel vom IWW-Institut für Wasserforschung in Mülheim an der Ruhr verweist auf ein Muster, das sich in diesem Sommer zeigt und seit 2003 häufiger beobachtet wird: Auf ein außergewöhnlich trockenes Frühjahr folgt im Sommer ein Hochdruckgebiet mit hoher Sonneneinstrahlung. Aus den trockenen Böden kann nicht viel Wasser verdunsten, sodass kaum Kühlung entsteht, eine Hitzewelle eintritt und der Wasserverbrauch steigt.

Die Trinkwasserversorgung durch die Harzer Talsperren ist derzeit trotz geringer Füllung gesichert, teilten die Harzwasserwerke mit.

Was können Verbraucher tun?

„Wassersparen ist immer sinnvoll“, sagt Riedel. Viele seien bereits vorbereitet und hätten etwa eine Regentonne im Garten. „Aktuell gibt es nur wenige Probleme in der Wasserversorgung“, so der Forscher. Dusch-Einschränkungen sind vorerst nicht zu befürchten. Sollte die Trockenheit anhalten, würde es im Spätsommer aber Regionen geben, in denen die Wassernutzung eingeschränkt werden könnte.

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Neben lokalen Lösungen seien aber auch länderübergreifende Ansätze gefragt. Seit Mitte Juni melde der Boden- und Grundwasserdürreindex der US-Behörde NASA außergewöhnlich trockene Böden und niedrige Grundwasserstände in einem Gebiet, das von Ostfrankreich über Süd- und Ostdeutschland, Polen und Tschechien bis zur Ukraine reicht. Riedel sagt: „Trockenheit ist zunehmend ein länderübergreifendes Problem.“