In einer Aufzuchtstation des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) bei Potsdam sind 26 Schreiadler-Küken geschlüpft. Die Eier wurden aus Nestern in Polen und Deutschland entnommen und künstlich ausgebrütet. Grund ist ein besonderes Verhalten der Tiere: Schreiadler legen in der Regel zwei Eier, ziehen aber nur eines der Küken auf. Das erstgeborene Küken tötet sein jüngeres Geschwister. Um dies zu verhindern, sammelt die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe die Zweiteier und lässt die Küken per Hand aufziehen.
Aufwendige Aufzucht mit Masken und Umhängen
Die Aufzucht der jungen Greifvögel ist äußerst aufwendig. Mehrmals täglich werden die Küken von Pflegern mit Mäusefleisch gefüttert und gewogen. „Um die Küken nicht an Menschen zu gewöhnen, tragen sie dabei Adlermaske und Umhang“, teilte der NABU mit. Ende Juli ziehen die Jungvögel dann in eine Auswilderungsstation, wo sie tagsüber frei fliegen können, aber noch gefüttert werden. Nachts werden sie zum Schutz vor Fressfeinden wie Waschbären in einer Voliere untergebracht.
Auswilderung im September
Rechtzeitig zum Vogelzug im September werden die Jungvögel in die Freiheit entlassen. Schreiadler ziehen laut NABU bis zu 10.000 Kilometer weit, um den Winter im Süden Afrikas zu verbringen. „Für das Überleben der Schreiadler zählt jedes einzelne Küken“, sagte NABU-Adlerexperte Ludwig Klein der Deutschen Presse-Agentur.
Bedrohte Art in Deutschland
Der Schreiadler, auch Pommernadler genannt, ist mit einer Flügelspannweite von 143 bis 168 Zentimetern die kleinste heimische Adlerart. Deutschlandweit gibt es nach Angaben des NABU nur noch etwa 130 Brutpaare, ausschließlich in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Seinen Namen verdankt der Vogel seinem markanten Balzruf.
Den Vögeln mangele es hierzulande an geeigneten Lebensräumen, erklärte Klein. Der Nahrungsraum der Tiere, Wiesen und Weiden, schwinde. Die NABU-Stiftung wertet daher in Schutzgebieten Brut- und Nahrungsflächen auf, indem sie Grünland wiedervernässt.



