Lange Wartezeiten bei Täterarbeit in Berlin: Bis zu sechs Monate
Lange Wartezeiten bei Täterarbeit in Berlin

Die Wartezeiten auf Beratungsangebote zur Täterarbeit in Berlin betragen derzeit mehr als drei Monate, in einigen Fällen sogar bis zu einem halben Jahr. Das geht aus einer Antwort der Berliner Sozialverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen hervor, die dem Tagesspiegel vorliegt. Die Täterarbeit soll neue Fälle häuslicher Gewalt verhindern, indem sie gewalttätige Personen dazu bringt, ihr Verhalten zu reflektieren und zu ändern.

Hoher Bedarf bei begrenzten Kapazitäten

Der Bedarf an solchen Programmen ist in Berlin groß, doch die vorhandenen Kapazitäten reichen kaum aus, wie selbst der Senat einräumt. Laut der Senatsantwort gibt es in der Hauptstadt derzeit nur wenige zertifizierte Täterarbeitsprojekte, die langfristige Plätze anbieten. Die Wartezeiten variieren je nach Einrichtung und Region, liegen aber durchgängig über dem empfohlenen Maximum von vier Wochen.

Die Sozialverwaltung bestätigt, dass die Nachfrage das Angebot deutlich übersteigt. „Wir sehen einen dringenden Handlungsbedarf, um die Kapazitäten auszubauen“, heißt es in der Antwort. Die Grünen, die die Anfrage gestellt hatten, kritisieren die langen Wartezeiten scharf. „Jeder Monat, den ein Täter auf einen Platz wartet, ist ein Monat, in dem das Risiko für neue Gewalttaten steigt“, sagte die grüne Abgeordnete Clara West.

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Zahlen und Fakten zur Täterarbeit in Berlin

Nach Angaben des Senats wurden im Jahr 2023 insgesamt rund 1.200 Plätze in Täterarbeitsprogrammen angeboten, aber es gab über 2.500 Anmeldungen. Das bedeutet, dass mehr als die Hälfte der Interessenten zunächst abgewiesen oder auf Wartelisten gesetzt werden mussten. Die durchschnittliche Wartezeit beträgt laut Senat 14 Wochen, wobei einige Projekte eine Wartezeit von bis zu 26 Wochen melden.

Die Täterarbeit umfasst in der Regel Einzel- und Gruppensitzungen, die darauf abzielen, Gewaltmuster zu durchbrechen und Verantwortungsübernahme zu fördern. Die Programme werden von freien Trägern durchgeführt und vom Land Berlin finanziert. Allerdings sind die Mittel begrenzt: Der Senat gibt an, dass die Finanzierung der Projekte derzeit nicht ausreicht, um die Nachfrage zu decken.

Forderungen nach mehr Investitionen

Die Grünen fordern daher eine deutliche Aufstockung der Mittel für die Täterarbeit. „Prävention ist der Schlüssel im Kampf gegen häusliche Gewalt. Wir müssen in Täterarbeit investieren, um Opfer zu schützen“, so West. Auch der Berliner Landesfrauenrat hat sich in der Vergangenheit für einen Ausbau der Angebote stark gemacht.

Der Senat verweist in seiner Antwort auf laufende Gespräche mit den Trägern, um die Kapazitäten zu erhöhen. Konkrete Zusagen für zusätzliche Mittel gibt es jedoch nicht. Die Sozialverwaltung betont, dass die Täterarbeit nur ein Baustein im Gesamtsystem zur Bekämpfung häuslicher Gewalt sei. Parallel dazu würden Opferschutz und Beratungsangebote gestärkt.

Auswirkungen auf Betroffene

Die langen Wartezeiten haben direkte Auswirkungen auf die Betroffenen. „Wenn Täter nicht zeitnah einen Platz bekommen, steigt die Gefahr von Wiederholungstaten“, warnt West. Studien zeigen, dass gut umgesetzte Täterarbeitsprogramme die Rückfallquote um bis zu 30 Prozent senken können. In Berlin bleibt dieses Potenzial jedoch aufgrund der Kapazitätsengpässe ungenutzt.

Der Tagesspiegel berichtete bereits mehrfach über die Probleme bei der Täterarbeit in Berlin. Die aktuelle Antwort des Senats bestätigt die anhaltende Unterversorgung. Die Politik steht nun in der Pflicht, die nötigen Ressourcen bereitzustellen, um die Wartezeiten zu verkürzen und damit einen wirksamen Beitrag zur Gewaltprävention zu leisten.

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