In ihrem Essay kritisiert Margarete Stokowski scharf die geplanten Reformen der Bundesregierung, insbesondere die Einführung einer Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag. Diese Maßnahme sende eine menschenverachtende Botschaft: Sie unterstelle, dass Kranke, behinderte, alte und arme Menschen der Gesellschaft auf der Tasche lägen.
Die Botschaft hinter der Reform
Stokowski argumentiert, dass die Attestpflicht nicht etwa der Gesundheitsvorsorge diene, sondern vielmehr ein Misstrauen gegenüber Arbeitnehmern ausdrücke. Die Regelung impliziere, dass viele Arbeitnehmer grundlos zu Hause blieben und die Solidargemeinschaft ausnutzten. Dabei sei die Anzahl der Krankmeldungen in Deutschland in den letzten Jahren konstant geblieben oder sogar gesunken.
Gesundheit als Kostenfaktor
Die Autorin weist darauf hin, dass die Debatte um die Attestpflicht Teil eines größeren Trends sei, bei dem Gesundheit zunehmend als Kostenfaktor betrachtet werde. Statt die Arbeitsbedingungen zu verbessern und Prävention zu fördern, setze die Regierung auf Kontrolle und Sanktionen. Dies treffe besonders diejenigen, die ohnehin schon benachteiligt seien: Menschen mit chronischen Erkrankungen, Behinderungen oder in prekären Arbeitsverhältnissen.
Ein Essay von Margarete Stokowski
Stokowski appelliert an die Regierung, „jetzt ganz stark zu sein (und gesund)“ und sich gegen eine solche Politik zu stellen. Sie fordert stattdessen mehr Solidarität und eine Umkehr der Prioritäten: Weg von der Kontrolle, hin zu mehr Unterstützung für kranke und pflegende Menschen. Der Essay endet mit der Mahnung, dass eine Gesellschaft an ihrer Behandlung der Schwächsten gemessen werde.



