Alarmstimmung in New York: Ein 38-stöckiger Wolkenkratzer in Manhattan droht einzustürzen. Die Feuerwehr evakuierte am Dienstag mehrere Straßen und Gebäude rund um das Hochhaus in der East 42nd Street, unweit des Chrysler-Gebäudes und des UN-Hauptquartiers. Zwei tragende Säulen in dem Turm hätten sich verformt, teilte die Feuerwehr mit. Der Alarmruf hatte am Morgen Chaos im Berufsverkehr ausgelöst.
Hintergrund des Umbaus
Bei dem Gebäude handelt es sich um den ehemaligen Hauptsitz des Pharmakonzerns Pfizer. Derzeit wird es in ein Wohngebäude umgebaut: Aus früheren Büros sollen mehr als 1600 Wohnungen entstehen. Laut den Architekten ist es das größte derartige Umwandlungsprojekt in der Geschichte der Stadt; die Arbeiten sollten 2027 abgeschlossen werden.
Nach einem Bericht der „New York Times“ wurden die Rettungsdienste wegen herabfallender Ziegelsteine alarmiert. „Beim Eintreffen stellten die Einheiten fest, dass sich zwei Säulen im 21. und 22. Stock verformt hatten“, erklärte die Feuerwehr. „Die Böden zwischen dem 21. und 26. Stock hängen durch.“
Bürgermeister informiert über Schäden
„Zwei tragende Stützen sind eingeknickt; zudem wurden mehrere Risse und absackende Decken festgestellt“, sagte Bürgermeister Zohran Mamdani auf einer Pressekonferenz. Messungen hatten ergeben, dass sich das Gebäude bewegte. Am frühen Abend sei dies nicht mehr der Fall gewesen, erklärte die Stadtverwaltung – deshalb könnten nun temporäre Stützen zur Sicherung des Gebäudes angebracht werden.
Menschen in umliegenden Hotels, Geschäftsgebäuden und Wohnungen wurden in Sicherheit gebracht, auch eine Schule musste geräumt werden. Berichten zufolge waren etwa 130 Einsatzkräfte der Feuerwehr und des Rettungsdienstes im Einsatz. Polizisten sperrten Straßen ab, wie AFP-Reporter berichteten. Berichte über Verletzte gab es vorerst nicht.
Drohne und Expertenmeinungen
Die Behörden setzten eine Drohne ein, um das Ausmaß der Schäden zu begutachten. Weil es sich um einen Stahlrahmenbau handele, sei kein vollständiger, sondern allenfalls ein lokaler Einsturz zu erwarten. „Dennoch bleibt genau das unsere Sorge“, sagte ein Feuerwehrbeamter. Die Lage sei „sehr ernst“.
Clifford Johnsen von der Baugewerkschaft Steamfitters Local 638 kritisierte die Umbauten. Das Aufsetzen zusätzlicher Stockwerke auf das bestehende Bürogebäude habe Druck auf die Stützpfeiler ausgeübt, sagte er. Die Bauarbeiten seien offenbar nicht richtig geplant. „Ich bin seit 21 Jahren im Baugewerbe, und ich habe noch nie einen Träger gesehen, der sich in der Mitte durchbiegt – das ist hochgradig gefährlich“, sagte Johnsen. „Die Stahlträger verbiegen sich dort wie Zigaretten“, wird er von CNN zitiert.
Projektentwickler weist Verantwortung zurück
Der Projektentwickler wies jede Verantwortung von sich und sprach von einem „typischen Konstruktionsfehler“ des in den 1960er-Jahren errichteten Gebäudes. Wahrscheinlich seien die eingeknickten Stahlträger nicht oder nicht ausreichend verstärkt worden, sagte er der „New York Times“. Von Einsturzgefahr könne keine Rede sein, die Zwischendecken seien wohl nur um zehn Zentimeter abgesackt. Das von der Stadtverwaltung genehmigte Projekt sei an sich „perfekt“, die Fertigstellung werde sich bloß um ein paar Wochen verzögern.
Die Gegend rund um das betroffene Gebäude ist eine der betriebsamsten der Millionenmetropole: Tausende Menschen wohnen und arbeiten hier, hinzu kommen unzählige Touristen und zig Pendler, die den nahegelegenen Bahnhof Grand Central als Verkehrsknotenpunkt nutzen.



