Zeugen Jehovas: Etappensieg im Streit um NS-Familienarchiv vor BGH
BGH stärkt Zeugen Jehovas im Streit um NS-Archiv

Die Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas hat im Rechtsstreit um ein umfangreiches Familienarchiv aus der NS-Zeit einen wichtigen Etappensieg erzielt. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hob eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Köln auf, das die Herausgabeklage der Glaubensgemeinschaft zuvor abgewiesen hatte. Nun muss das Oberlandesgericht erneut über den Fall verhandeln und entscheiden.

Hintergrund des Streits: Das Archiv der Familie Kusserow

Seit mehreren Jahren streiten die Zeugen Jehovas mit dem Bund um ein Archiv mit mehr als 1000 Dokumenten, das die Geschichte der von den Nationalsozialisten verfolgten Familie Kusserow aus Bad Lippspringe in Nordrhein-Westfalen erzählt. Das Archiv befindet sich derzeit im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden. Die älteste Tochter Annemarie Kusserow hatte die Verfolgung ihrer 13-köpfigen Familie von der Machtübernahme der Nationalsozialisten bis zu ihrer eigenen Verhaftung im Oktober 1944 in Bildern, Briefen, Haftbefehlen und Todesurteilen festgehalten. Zwei ihrer Brüder wurden von den Nazis hingerichtet, weil sie aus Gewissensgründen den Kriegsdienst verweigerten. Weitere Familienmitglieder starben infolge der grausamen Haftbedingungen.

Unrechtmäßiger Verkauf laut Zeugen Jehovas

Nach Annemarie Kusserows Tod im Jahr 2005 verkaufte einer ihrer Brüder das Archiv an das Museum in Dresden. Eigentlich hatte Kusserow ihr Erbe jedoch den Zeugen Jehovas überlassen. Wie es bei dem Bruder landete, ist laut BGH ungeklärt. „Fest steht, dass das Archiv unrechtmäßig an das Museum veräußert wurde“, sagt Sebastian Stock, Sprecher der Zeugen Jehovas. Das Kölner Oberlandesgericht muss nun klären, ob Annemarie Kusserow Alleineigentümerin der Dokumente war, wie der Besitzverlust genau erfolgte und ob der Staat ausreichende Nachforschungen zur Berechtigung des Bruders als Verkäufer angestellt hat.

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Zahlen zur Verfolgung der Zeugen Jehovas

Etwa 14.000 Zeugen Jehovas wurden im Nationalsozialismus inhaftiert. Mehr als 1700 von ihnen starben nach Angaben der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Sie wurden hingerichtet oder starben wegen der schrecklichen Bedingungen in der Haft. Erst am Mittwoch wurde in Berlin ein Mahnmal für die Religionsgemeinschaft eingeweiht. Die Schriftstellerin Stefanie de Velasco, die bei den Zeugen Jehovas aufwuchs, äußerte sich zur Symbolik des Mahnmals.

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