Bei einem Schlangenbiss in Deutschland zählt jede Minute. Wer gebissen wurde, sollte sofort den Notruf 112 wählen oder schnell medizinische Hilfe organisieren. Viele früher empfohlene Maßnahmen können heute jedoch mehr schaden als nutzen. In Deutschland ist die Kreuzotter die einzige heimische Giftschlange; regional kommt auch die Aspisviper vor. Schwere Vergiftungen sind selten, können aber besonders für Kinder, ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen gefährlich werden. Deshalb sollte ein Arzt jeden vermuteten Giftschlangenbiss abklären.
Ruhig bleiben und Bewegung vermeiden
Das Wichtigste nach einem Biss: Möglichst wenig bewegen. Denn jede unnötige Bewegung kann das Gift schneller im Körper verteilen. Halten Sie die gebissene Hand oder das Bein ruhig – möglichst auf Herzhöhe oder leicht darunter. Ringe, Schmuck oder enge Kleidung sollten sofort entfernt werden, bevor die Stelle anschwillt. Wenn es gefahrlos möglich ist, prägen Sie sich das Aussehen der Schlange ein oder fotografieren Sie sie. Die Schlange selbst sollte jedoch auf keinen Fall eingefangen werden.
Veraltete Erste-Hilfe-Methoden vermeiden
Folgende Maßnahmen sind heute nicht mehr empfohlen: Das Gift aussaugen, die Bisswunde aufschneiden, Abbindungs- oder Druckbänder (Tourniquets) anlegen, Eis auflegen oder Alkohol trinken. Auch sollte sich der Betroffene nicht unnötig bewegen oder anstrengen. Diese Methoden können die Vergiftung verschlimmern oder zusätzliche Schäden verursachen.
Behandlung im Krankenhaus
Im Krankenhaus prüfen Ärzte unter anderem, ob der Biss tatsächlich giftig war, wie stark eine mögliche Vergiftung ist und ob ein Gegengift notwendig ist. Je nach Befund können zudem Schmerztherapie, Infusionen oder Behandlungen von Blutgerinnungsstörungen erforderlich sein. Laut dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe ist eine schnelle ärztliche Abklärung entscheidend.
Wann Sie sofort 112 rufen sollten
Ein Notfall liegt vor, wenn starke Schmerzen oder eine rasch zunehmende Schwellung auftreten. Auch Atemnot, Schluckbeschwerden, Schwindel, Ohnmacht oder Kreislaufprobleme sind Warnzeichen. Dasselbe gilt bei Übelkeit, Erbrechen, ausgeprägter Schwäche, Blutungen oder anderen schweren Symptomen. In diesen Fällen sollte sofort der Rettungsdienst gerufen werden. Grundsätzlich gilt: Ruhig bleiben, betroffene Stelle ruhigstellen, 112 rufen – nicht schneiden, nicht aussaugen, nicht abbinden.



