Die aktuelle Hitzewelle raubt vielen Menschen den Schlaf. Während Hersteller wie Eight Sleep oder Emma teure Kühlmatratzenauflagen anbieten, hat Schlafforscher Dr. Hans-Günter Weeß einen überraschend einfachen und günstigen Tipp: Eine lauwarme Dusche vor dem Schlafengehen kann die Körpertemperatur senken und so das Einschlafen erleichtern.
Warum eine lauwarme Dusche besser hilft als Kühlmatratzen
Dr. Hans-Günter Weeß, Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums am Pfalzklinikum Klingenmünster, erklärt im Gespräch mit dieser Redaktion: „Viele Menschen glauben, dass sie mit kalten Duschen oder Kühlmatratzen die Hitze besser ertragen können. Doch der Körper reagiert auf Kälte mit Gegenregulation – die Gefäße verengen sich, die Durchblutung wird reduziert. Das kann den Schlaf sogar stören.“ Stattdessen empfiehlt der Experte eine lauwarme Dusche, die die Hauttemperatur senkt und den Körper auf die Nacht vorbereitet.
Optimale Schlafzimmertemperatur: 18 bis 20 Grad
Laut Weeß liegt die ideale Raumtemperatur zum Schlafen zwischen 18 und 20 Grad. „Absolute Temperaturen lassen sich schwer nennen, da auch Bettzeug, Matratze und Kleidung eine Rolle spielen. Die Faustregel lautet: So kühl wie möglich, ohne dass man friert“, so der Schlafforscher. Um dies zu erreichen, rät er, tagsüber die Fenster geschlossen zu halten und nachts zu lüften.
Günstige Alternativen zu teuren Kühlauflagen
Statt Hunderte Euro für Kühlmatratzen auszugeben, empfiehlt Weeß einfache Maßnahmen: „Ein feuchtes Handtuch vor dem Fenster oder ein Ventilator mit einer Schale Eiswasser davor können die Raumtemperatur spürbar senken.“ Auch leichte Baumwollbettwäsche und ein dünnerer Pyjama helfen. „Wer nackt schläft, sollte darauf achten, dass die Matratze atmungsaktiv ist – sonst staut sich die Wärme“, ergänzt der Experte.
Was bringen Kühlmatratzenauflagen wirklich?
Kühlmatratzenauflagen mit passiver Kühlung leiten die Körperwärme ab, während aktive Modelle mit Wasser- oder Luftkreislauf arbeiten. Weeß sieht den Nutzen kritisch: „Die passive Kühlung kann anfangs angenehm sein, verliert aber nach einigen Stunden ihre Wirkung. Aktive Systeme sind effektiver, aber teuer und oft laut.“ Sein Fazit: „Bevor man viel Geld ausgibt, sollte man die einfachen Tricks ausprobieren – sie sind meist genauso wirksam.“
Praktische Tipps für heiße Nächte
- Tagsüber Fenster und Vorhänge geschlossen halten.
- Nachts querlüften, wenn die Temperatur draußen niedriger ist.
- Leichte Bettwäsche aus Baumwolle oder Leinen verwenden.
- Vor dem Schlafengehen lauwarm duschen.
- Elektronische Geräte im Schlafzimmer vermeiden, da sie Wärme abgeben.
Dr. Weeß betont abschließend: „Jeder Mensch reagiert anders auf Hitze. Wichtig ist, auf den eigenen Körper zu hören und nicht blind auf teure Produkte zu vertrauen.“



