Potsdamer Maler Stephan Velten mit 72 Jahren gestorben
Potsdamer Maler Stephan Velten gestorben

Der Potsdamer Maler Stephan Velten ist in den frühen Morgenstunden des 27. Juni im Alter von 72 Jahren gestorben. Das teilte die Familie mit. Velten hinterlässt ein umfangreiches Werk, das von einer intensiven Auseinandersetzung mit Leben, Tod und menschlichen Trieben geprägt ist.

Letzter Besuch im Atelier

Kurz vor Ostern 2025 hatte Velten noch einmal in sein Atelier eingeladen, um seine neuesten Arbeiten zu präsentieren – trotz seiner kräftezehrenden Krebserkrankung. Er zeigte sein zeichnerisches Lebenswerk, sortiert in Mappen, die er „die Ränder“ nannte: Skizzen, die ohne bestimmtes Ziel entstanden waren. „Oft sagen die Skizzen viel mehr als das große Gemälde“, erklärte er damals.

Zu diesen Rändern gehörten Kritzeleien aus der NVA-Zeit, Vorarbeiten für einen nie realisierten Theaterneubau am Alten Markt und die Zeichnung „Ein treuer Freund“ von 2019, die einen Mann mit einem Hund zeigt, dessen Kopf ein Totenkopf ist.

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Künstlerische Entwicklung und Leben

Geboren 1954 in Potsdam als Stephan Barthel, war er der Sohn des Autors und SED-Funktionärs Kurt Barthel. Den Namen Velten, nach dem Ort, in dem er bei den Großeltern aufwuchs, nahm er an, um sich vom Vater zu distanzieren. Von 1974 bis 1979 studierte er an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, unter anderem bei Werner Stötzer, und arbeitete seitdem freiberuflich als Maler und Grafiker.

Seine Kunst zeichnete sich durch große Formate, starke Farben und eine intensive Körperlichkeit aus. Kunstwissenschaftler Christoph Tannert beschrieb ihn als „realistisch genug, nicht festzulegen, ob wir uns in der Vergangenheit, der Gegenwart oder der Zukunft befinden“. Veltens Leitstern war Picasso, sein eigenes Symbol das Pferd – etwa in der Serie „TrojaPferde“ (2016), die von Kraft und Aufbegehren strotzt.

Lebensthema Hunger und Verlust

„Hungry“ nannte Velten eine Werkreihe aus den 2000er Jahren. Er deutete den Hunger allgemeingültig: „Alle haben Hunger nach mehr – nach Macht, Einfluss oder frischem Fleisch.“ Dieser innere Antrieb trieb ihn zur Kunst, aber auch zum Alkohol, mit dem er nach dem Tod seiner Frau Gretel Schulze 2019 offen umging. Die Schauspielerin und Kabarettleiterin war 45 Jahre an seiner Seite gewesen. Ihren Tod versuchte er in Briefen zu verarbeiten, die 2024 als Buch „Von allem zu wenig“ (über 600 Seiten) erschienen.

In seinem letzten Gespräch sagte Velten, er habe zu spät erkannt, dass er auch ohne Alkohol das überbordende Element in sich trage. Er sprach über Bach, die Schönheit des Lebens und den Tod, der ihn seit seinem 13. Lebensjahr begleite, ihn aber nicht mehr bedrohe. Er hatte noch Pläne: Kontakt zum Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst, um Werke zu übergeben, und die Wiederaufnahme des Zyklus „Rast“. Dazu kam es nicht mehr.

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