Berliner Kurfürstenkiez: Anwohner demonstrieren gegen Kriminalität und Drogenhandel
Kurfürstenkiez: Demo gegen Drogen und Kriminalität

Im Berliner Kurfürstenkiez haben mehrere Dutzend Anwohner und Gewerbetreibende für mehr Sicherheit demonstriert. Der Kiez ist stark von Straßenprostitution, Drogenhandel und Gewalt belastet. Bei dem Treffen vor der Zwölf-Apostel-Kirche schilderte ein Familienvater, dass regelmäßig Fremde in sein Wohnhaus und die Tiefgarage einbrechen. Er könne seine Kinder im Alter von sieben und zwölf Jahren nicht einmal mehr allein ins Treppenhaus lassen und wünsche sich mehr Sicherheit in der Nachbarschaft.

Zustände haben sich verschlimmert

Eine 65-jährige Anwohnerin, die seit gut drei Jahren nahe der Kirche wohnt, sagte der dpa, die Zustände hätten sich besonders seit dem vergangenen Jahr verschlimmert. „Die Drogenkriminalität nimmt zu. Dealer sprechen Kinder an, daher werden sie oft von Eltern zur Schule begleitet. Viele Leute haben gerade abends Angst auf die Straße zu gehen, insbesondere Frauen.“ Sie wünscht sich mehr Polizeipräsenz. Im Kiez würden Drogen gehandelt „wie auf dem Flohmarkt“. Gegen den Straßenstrich, den es schon seit Jahrzehnten gebe, habe sie nichts. „Die Frauen sind nicht das Problem, denn sie sind ganz überwiegend einfach nur ganz arme Menschen.“

Gewalt und Diebstähle in Supermärkten

Der Betreiber von zwei Rewe-Märkten in unmittelbarer Nähe, Sulaf Ahmed, sagte der dpa, schon immer gebe es Prostitution, doch seit etwa eineinhalb Jahren zudem viel mehr Menschen mit massivem Drogenkonsum. Das zeige sich in seinen Läden durch viele Diebstähle und leider auch immer mehr Gewalt. „Viele leben auf der Straße, sind zugedröhnt und sehr unberechenbar.“ Etliche seiner Mitarbeiter hätten Angst, wenn sie frühmorgens oder spätabends die Läden öffnen oder schließen.

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Gegendemo gegen Verbot der Straßenprostitution

Eine Straßenecke weiter demonstrierten zeitgleich einige Dutzend Menschen gegen die Forderung der CDU nach einem Verbot der Straßenprostitution – nicht nur im Kurfürstenkiez, sondern in der ganzen Stadt. Dazu sagte Anne Bonny von Hydra, einer Beratungsstelle zu Prostitution, ein Sperrbezirk werde viele Menschen, die Sexarbeit nachgehen und Drogen konsumieren, massiv schaden und sie aus der Stadt oder in die Illegalität drängen. In dem Kiez gebe es Sexarbeit schon seit den 1880er Jahren, mit der Gentrifizierung hätten sich nun aber Konflikte gerade mit neuen Nachbarn zugespitzt. An die Menschen „in den Luxuswohnungen“ appelliert sie, den Kiez mit den „Vulnerabelsten“ weiter zu teilen sowie für gemeinsame Schutzstrukturen zu kämpfen. Demonstriert werde zudem für den Erhalt des Frauentreffs Café Olga, der Beratung und medizinische Versorgung für täglich bis zu 70 Sexarbeiterinnen anbiete, dessen Mietvertrag aber gekündigt worden sei.

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