Vier Liter Eistee und „irgendwie überleben“ – das ist das Motto vieler Berliner, die bei Temperaturen über 30 Grad Celsius im Freien arbeiten müssen. Während andere in klimatisierten Büros sitzen, schuften Bauarbeiter, Postboten und Gärtner unter der prallen Sonne. Die Berliner Morgenpost hat sie bei ihrem Hitze-Alltag begleitet.
Bauarbeiter in Neukölln: Kein früherer Start trotz 34 Grad
Die Bauarbeiter Philipp und Tugay arbeiten in Berlin-Neukölln bei 34 Grad Celsius. Sie dürfen trotz der Hitze nicht früher anfangen. „Wir beginnen um 7 Uhr, das ist die normale Schicht“, sagt Philipp. „Früher kommen geht nicht, weil die Baustelle erst dann bereit ist.“ Stattdessen trinken sie viel: „Ich habe heute schon vier Liter Eistee getrunken“, berichtet Tugay. „Und irgendwie überleben wir.“ Die Männer tragen leichte Kleidung, aber Schutzhelme und Sicherheitsschuhe sind Pflicht – die Hitze staut sich darunter.
Postboten: Früher Start und Schattenpausen
Postboten in Berlin haben es ebenfalls schwer. Ein Zusteller, der anonym bleiben möchte, erzählt: „Ich starte meine Tour um 6 Uhr morgens, dann ist es noch kühl. Aber ab 10 Uhr wird es unerträglich.“ Er trinkt pro Schicht drei bis vier Liter Wasser und sucht regelmäßig Schatten. „Manchmal setze ich mich für fünf Minuten in einen Hauseingang, um runterzukommen.“ Die Deutsche Post stellt ihren Mitarbeitern Sonnencreme und Kühlwesten zur Verfügung, wie ein Sprecher bestätigt: „Wir empfehlen unseren Mitarbeitern, sich ausreichend zu schützen und Pausen zu machen.“
Gärtner: Arbeit unter freiem Himmel
Gärtner haben es besonders schwer, da sie kaum Schatten finden. Ein Gärtner des Bezirksamts Mitte sagt: „Wir arbeiten im Park, da gibt es kaum Rückzugsmöglichkeiten. Ich trage einen Sonnenhut und trinke alle 20 Minuten etwas.“ Die Bezirke haben Hitzeschutzpläne, die flexible Arbeitszeiten erlauben – doch viele Gärtner arbeiten trotzdem durch. „Die Pflanzen müssen gegossen werden, die Arbeit wartet nicht“, so der Gärtner.
Busfahrer: Klimaanlage hilft, aber nicht immer
Busfahrer in Berlin haben zumindest eine Klimaanlage im Führerhaus. „Die Anlage läuft, aber wenn die Türen oft aufgehen, kühlt es nicht richtig runter“, sagt ein BVG-Fahrer. „Ich habe eine Kühlbox mit Wasser dabei und mache an den Endhaltestellen kurze Pausen.“ Die BVG teilt mit: „Unsere Fahrzeuge sind klimatisiert, und wir stellen Getränke zur Verfügung.“ Dennoch sei die Belastung hoch, besonders auf Linien mit vielen Fahrgästen.
Hitze-Rekord in Berlin: 38 Grad erwartet
Der Deutsche Wetterdienst erwartet für die kommenden Tage Temperaturen bis zu 38 Grad Celsius in Berlin. Das ist deutlich über dem Durchschnitt für Juni. Die Arbeitsagentur empfiehlt Arbeitgebern, Hitzeschutzmaßnahmen zu ergreifen: flexible Arbeitszeiten, ausreichend Getränke und Schattenplätze. „Die Gesundheit der Mitarbeiter steht an erster Stelle“, so ein Sprecher. Doch viele Beschäftigte im Freien haben keine Wahl – sie müssen arbeiten, egal wie heiß es ist.



