Zum Schuljahresende wollen viele Eltern ihren Dank ausdrücken – doch nicht jedes Geschenk ist erlaubt. Die Berliner Bildungsverwaltung hat klare Regeln aufgestellt, die Lehrkräfte vor Interessenkonflikten schützen sollen. Ein Geschenk bis 10 Euro von einem einzelnen Schüler oder einer Familie ist in Ordnung, etwa Süßigkeiten oder eine kleine Topfpflanze. Bei Gemeinschaftsgeschenken der gesamten Klasse oder Elternschaft liegt die Grenze bei 50 Euro Gesamtwert. Ab einem Wert von 30 Euro muss das Geschenk gemeldet werden.
Rechtliche Grundlagen und Risiken
Die Verwaltungsvorschrift soll Korruption verhindern. „Selbstverständlich freuen sich Lehrkräfte über die Wertschätzung ihrer Arbeit. Die geltenden Regeln schaffen dabei einen transparenten und für alle Beteiligten nachvollziehbaren Rahmen“, erklärt Martin Klesmann von der Bildungsverwaltung. Werden die Grenzen überschritten, drohen Strafen wegen Vorteilsgewährung oder Vorteilsannahme. Ein prominenter Fall: Eine Berliner Lehrerin erhielt eine Skulptur im Wert von 200 Euro von ihrer Klasse und entging einem Strafverfahren nur durch Zahlung einer Geldauflage von 4000 Euro. Die Skulptur behielt sie nicht.
Ein Lehrer aus Schöneberg, der anonym bleiben möchte, musste in der Weihnachtszeit einen sehr teuren Whiskey ablehnen – für beide Seiten enttäuschend. „Ernüchternd!“, kommentiert er.
Beliebte Geschenkideen von Lehrern selbst
Mehrere Berliner Lehrerinnen und Lehrer haben dem Tagesspiegel verraten, worüber sie sich freuen. Kleine Genussmomente wie guter Kaffee, besonderer Tee, edle Schokoladen oder Marmeladen sind Favoriten. Auch Wellness-Kleinigkeiten wie Handcreme, Seifen, Badezusätze oder Duftkerzen kommen gut an. Büchergutscheine stehen ebenfalls hoch im Kurs.
Individuelle Geschenke treffen oft den Nerv. Eine Grundschul-Lehrkraft aus Pankow freut sich jedes Jahr über einen bunten „Klassen-Strauß“: Jedes Kind sucht im Blumenladen selbst eine Blume aus, daraus entsteht ein einzigartiger Mix. Eine Oberstufenlehrerin schwärmt von einer Baumpatenschaft und einem Badetuch, das eine Abschlussklasse mit der Lieblingsfloskel des Lehrers besticken ließ.
Persönliche Geschichten und emotionale Geschenke
Ursula Hess von der Evangelischen Schule Frohnau erzählt: „Einmal wurde ich in den Zoo entführt, wo ich die Pinguine füttern durfte. Pinguine sind nämlich meine Lieblingstiere. Grundsätzlich freue ich mich über alle Geschenke. Besonders freue ich mich aber über Geschenke, die etwas persönlicher sind. So bekam ich mal von einem Leistungskurs Deutsch einen goldenen Topf (wir hatten das gleichnamige Werk von E.T.A. Hoffmann gelesen) mit vielen Erinnerungsstücken an eine gemeinsame Exkursion nach Weimar: ein Ginkgoblatt, einen Radierer in Form von Goethes Kopf und vieles mehr. Das alles besitze ich bis heute.“
Silvia Nietzeldt aus Neukölln empfiehlt ein materiell günstiges, emotional wertvolles Geschenk: „Ein Poesiealbum der Schülerinnen und Schüler für ihre Lehrkraft. Kann man auch als Beamtin guten Gewissens annehmen. Im Laufe der Jahrzehnte habe ich ein paar solcher Alben geschenkt bekommen, nie würde ich sie ausrangieren!“
Geschenk-Flops: Was Lehrer nicht mögen
Über die großen Flops wollen viele Lehrer nur hinter vorgehaltener Hand sprechen. „Richtig doof sind Fototassen“, schreibt eine Pädagogin aus Weißensee. „Stehrumchen“, sagt ein anderer anonym. Parfüms enttäuschen oft, weil der Geschmack verschieden ist. Silvia Nietzelt erinnert sich an einen Fehlgriff: „Eine Elternsprecherin hatte gefragt, welcher mein Lieblingsautor sei. Es war damals Dürrenmatt, den aber die Elternsprecherin mit Hemingway verwechselte. Es wurde noch schlimmer, weil der Obolus für dieses Buch wohl nicht von allen Schülern bezahlt wurde. Diese durften ihren Namen dann auch nicht in das Buch schreiben. Drei dieser Schülerinnen beschlossen, mir ersatzweise eine Vase zu schenken. Das grauenhafte Monstrum habe ich etliche Jahre aufbewahrt – dann aber doch irgendwo gespendet.“
Die Grenzen des Erlaubten sind also klar: Bei Gemeinschaftsgeschenken bis 50 Euro und Einzelgeschenken bis 10 Euro bewegt man sich auf der sicheren Seite. Kreativität und persönliche Note kommen bei Lehrern meist besser an als teure Präsente.



