EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat in einem Interview mit der französischen Zeitung „Les Echos“ bekräftigt, dass sie ihre Amtszeit bis Oktober 2027 vollständig absolvieren wolle. Gleichzeitig schloss sie einen vorzeitigen Rückzug von ihrem Posten nicht aus, falls sich die wirtschaftliche Lage beruhigt und sie sich in den französischen Präsidentschaftswahlkampf 2027 einbringen möchte.
Lagarde: Kapitän muss an Bord bleiben
„Angesichts der Tatsache, dass wir erneut eine turbulente Phase durchleben, bin ich der Meinung, dass der Kapitän des EZB-Schiffs an Bord bleiben muss“, sagte Lagarde. Sie sehe ihre vorrangige Aufgabe darin, die Preisstabilität im Euroraum zu gewährleisten. Die Weltwirtschaft durchlebe derzeit eine turbulente Phase, was ein entschlossenes Handeln der EZB erfordere.
Auf die Frage, ob sie bei einer Beruhigung der Lage einen vorzeitigen Rückzug in Betracht ziehen würde, um sich 2027 in den französischen Präsidentschaftswahlkampf einzubringen, antwortete Lagarde: „Das ist möglich. Ich bin überzeugt, dass in der französischen Präsidentschaftsdebatte eine europäische Stimme gehört werden muss.“
Europäische Stimme in der französischen Debatte
Sollte die Debatte in Frankreich ein eingeschränkteres Bild von Frankreichs Rolle in Europa offenbaren, halte sie es für notwendig zu erklären, warum dies ein schmerzhafter Weg für Frankreich und seine Bürger wäre, so Lagarde. Ihre Äußerungen folgen auf Spekulationen, dass sie ihr Amt vorzeitig niederlegen könnte, um dem scheidenden französischen Präsidenten Emmanuel Macron ein Mitspracherecht bei der Bestimmung ihrer Nachfolge zu geben.
Die „Financial Times“ hatte zuvor berichtet, Lagarde wolle vorzeitig zurücktreten, um Macron die Möglichkeit zu geben, die Nachfolge mitzubestimmen. Ihre reguläre Amtszeit läuft bis Ende Oktober 2027. Im Frühjahr 2027 stehen in Frankreich Präsidentschaftswahlen an, bei denen Lagarde als mögliche Kandidatin gehandelt wird.
Rückzug nur bei Beruhigung der Lage
Lagarde betonte jedoch, dass ein vorzeitiger Rückzug nur bei einer Beruhigung der wirtschaftlichen Lage in Frage komme. Derzeit sei die Situation zu turbulent, um das Ruder aus der Hand zu geben. Sie verwies darauf, dass die EZB weiterhin entschlossen gegen die Inflation vorgehen müsse. Bereits im Februar hatte Lagarde Gerüchte über einen vorzeitigen Rückzug zurückgewiesen und ihre Absicht bekräftigt, ihre Amtszeit bis zum Ende zu absolvieren.
Die Aussagen Lagardes zeigen, dass sie sich eine Rückkehr in die französische Politik offenhält, aber nicht um den Preis einer Vernachlässigung ihrer aktuellen Verantwortung. Die Entscheidung über einen vorzeitigen Rückzug werde von der Entwicklung der Weltwirtschaft abhängen.



