DFB-Kommentar: Nagelsmann-Rücktritt nur ein erster Schritt
Nagelsmann-Rücktritt nur ein erster Schritt

Julian Nagelsmann hat am Freitagmittag seinen Rücktritt als Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft erklärt. Dieser Schritt war aus vielerlei Sicht unumgänglich und überfällig. Bereits am Montag hatte Nagelsmann nach dem blamablen WM-Aus gegen Paraguay noch vorschnell verkündet, weitermachen zu wollen. Das Ende der Zusammenarbeit mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) war jedoch alternativlos – das hätte auch dem 38-Jährigen bewusst sein müssen.

Fehlende Selbstkritik und falsche Prioritäten

Einmal mehr entstand der Eindruck, dass Nagelsmann die nötige Selbstkritik und Demut für das wichtigste Amt im deutschen Fußball fehlen. Stattdessen schien er seine persönlichen Interessen voranzustellen, etwa die, möglichst profitabel aus der Situation herauszukommen. Dabei muss ihm klar gewesen sein, dass das sportliche Abschneiden seiner Mannschaft – wie schon in den Jahren seit dem WM-Titel 2014 – nicht annähernd dem eigenen Anspruch entspricht. Wenn überhaupt noch die Rede von Anspruch sein kann: Schließlich wurde bei keiner der vergangenen drei Weltmeisterschaften das Achtelfinale erreicht.

Nagelsmann übernahm das Amt im September 2023 als Nachfolger von Hansi Flick. Er hatte die Chance, bei null anzufangen – frei von Altlasten oder überhöhten Erwartungen. Zwar gelang es ihm, die deutsche Mannschaft für die Heim-EM wieder aufzubauen, wenn auch nicht auf allerhöchstem Niveau. Mit den anschließenden Kaderveränderungen übernahm er Verantwortung für einen echten Umbruch, scheiterte dabei jedoch krachend.

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Sportliche Schwächen und taktische Fehler

Trotz der großen Veränderungen nach Rücktritten von Leistungsträgern wie Toni Kroos oder Thomas Müller hätte das DFB-Team mit all seiner sportlichen Qualität weiter kommen müssen als ins Sechzehntelfinale einer WM. Die Gründe hängen unmittelbar mit Entscheidungen Nagelsmanns zusammen. Er überzeugte weder mit seiner offensiven Spielidee noch mit der taktischen Herangehensweise, etwa Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger einzusetzen. Auch sein Coaching in den Spielen selbst ließ zu wünschen übrig.

Kritikwürdig war auch die Kaderzusammenstellung: Es fehlte ein weiterer gelernter Rechtsverteidiger sowie ein dribbelstarker Flügelspieler wie Said El Mala. Nagelsmann machte zudem keine gute Figur mit seiner oft überheblich wirkenden Kommunikation. Durch die Reaktivierung Manuel Neuers, die die Degradierung Oliver Baumanns bedeutete, und die wiederholte öffentliche Kritik am treffsichersten deutschen Stürmer Deniz Undav entfremdete er sich zuletzt von den eigenen Fans.

DFB-Führung muss sich hinterfragen

Dieses sportliche Desaster einzig an Julian Nagelsmann festzumachen, würde jedoch nicht weit genug gehen. Zwar hat die Führungsriege des DFB – Präsident Bernd Neuendorf, Sportdirektor Rudi Völler und Geschäftsführer Andreas Rettig – diesmal schnell Konsequenzen gezogen. Doch die sportliche Situation nun erneut auf die Trainerposition zu reduzieren, wäre fahrlässig. Schon 2018 wurde das Vorrundenaus unter Jogi Löw fälschlicherweise als Ausrutscher abgetan. 2022 in Katar und bei der EM zwei Jahre später wurden die Leistungen schöngeredet und das Aus jeweils mit Pech begründet. Jedes Mal wurde missachtet, dass der deutsche Fußball viel tiefer liegende Probleme hat, die dem sportlichen Erfolg im Wege stehen.

Nur den Trainer auszutauschen, wird daher nicht reichen. Auch Neuendorf, Völler und Co. müssen sich ehrlich hinterfragen. Für einen Neustart braucht es künftig unbequeme Debatten statt zu viel Konsens an der Spitze. Sonst bleibt Deutschland eine Fußball-Nation, die nur noch von vergangenen Titeln zehrt.

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