Diese Woche beginnen die Sommerferien in Berlin. Für viele bedeutet das Hektik beim Packen und Sorgen um Staus oder Streiks. Doch für diejenigen, die in der Stadt bleiben, bringt die Ferienzeit eine seltene Ruhe. Die U-Bahn ist morgens fast leer, Parkplätze sind frei, und die Stadt wirkt wie ausgeatmet.
Die stille Seite Berlins
Wer in Berlin bleibt, erlebt die Stadt von einer anderen Seite. Das sogenannte Sommerloch – die Zeit, in der politisch und gesellschaftlich wenig passiert – wird von manchen gefürchtet, von anderen geliebt. Tatsächlich sinkt die Kriminalität nicht, sie verändert sich nur: Mehr Taschendiebstähle, weniger Raubüberfälle. Doch die Ruhe ist spürbar.
„Endlich hat man die Stadt wieder für sich allein“, schreibt Uta Keseling in ihrer Kolumne. Sie schätzt die Leere in den Straßen und die Möglichkeit, einfach nichts zu tun. Statt Autolärm hört sie Vögel und das Klimpern der Boote am Wannsee.
Neue Perspektiven entdecken
Im Sommerloch lassen sich ungewohnte Blickwinkel finden. Am S-Bahnhof Messe Nord etwa bietet sich ein freier Blick auf das ICC, das sonst von Brücken verdeckt wird. Auch der Wannsee zeigt sich an einem Montag ohne Sonne fast menschenleer – ein Moment, in dem die Stadt wie ein riesiges Schiff davonzutreiben scheint.
Berlin hat auch Palmen, wenn auch in Töpfen. An der Oberbaumbrücke erinnert die Szenerie an Mallorca, mit Eventlocations am Spreeufer und einem spektakulären Sonnenuntergang. Der Görlitzer Park ist bis auf die üblichen Dealer fast leer – Sommerloch eben.
Bauen und Stauen in den Ferien
Während der Ferien wird in Berlin viel gebaut, gestaut und gesperrt. Doch wer nichts vorhat, stört sich weniger daran. Die Verzögerungen führen zu neuen Entdeckungen, wie dem Blick auf die A100-Brückenbaustelle. „Wenn man sowieso nichts weiter vorhat, stören einen die Störungen viel weniger“, so Keseling.
Die Kolumnistin liebt das Sommerloch, weil es Raum für Muße bietet. Einfach S-Bahn fahren, ohne Ziel, und die Stadt aus neuer Perspektive sehen. Für sie ist Berlin im Sommer wie Urlaub, ohne wegzufahren.



