Depot der Sozialen Künstlerförderung öffnet erstmals für Publikum
Depot der Sozialen Künstlerförderung öffnet erstmals

Mehr als 15.000 Kunstwerke lagern im Depot der Sozialen Künstlerförderung Berlins in Mariendorf. Am Samstag, dem 27. Juni, öffnet dieser verborgene Schatz erstmals seine Tore für die Öffentlichkeit. Gezeigt werden Gemälde, Grafiken, Fotografien, Skulpturen und Installationen, die die Entwicklung Berlins von den 1950er Jahren bis heute dokumentieren. Die Werke stammen von über 2000 Künstlerinnen und Künstlern und wurden im Rahmen eines einzigartigen Förderprogramms erworben.

Ein Notstandsprogramm wird zur Kunstsammlung

Die Förderung begann 1951 in West-Berlin als Notstandsprogramm. „Die Förderung wurde damals ins Leben gerufen, um Künstlerinnen und Künstler in einer wirtschaftlich schwierigen Situation zu unterstützen“, erklärt Julia Rust von Krosigk, Projektleiterin der Stiftung Archiv der Sozialen Künstlerförderung. Der Berliner Senat kaufte Kunstwerke auf, die dann in öffentlichen Gebäuden wie Krankenhäusern, Schulen oder Behörden ausgestellt wurden. „Auf diese Weise wurde den Künstlern geholfen und gleichzeitig Kunst in den Alltag der Stadt gebracht.“

Nach dem Fall der Mauer wurde das Programm auf Ost-Berlin ausgeweitet. „Die Mittel wurden damals verdoppelt“, so Rust von Krosigk. Viele Künstler aus Ost-Berlin, die nach der Wende Schwierigkeiten hatten, auf dem Kunstmarkt Fuß zu fassen, wurden so unterstützt. 2003 wurde das in seinem Umfang einzigartige Förderprogramm jedoch eingestellt – Berlin musste sparen.

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Stadtgeschichte in Bildern

Die ausgestellten Werke zeigen Berlin in all seinen Facetten: Gemälde vom Gewächshaus im Botanischen Garten (Rudi Mauke), von der Gaskokerei Mariendorf (Kurt Bartel), vom Bau der Kongresshalle im Tiergarten (Wilhelm Thielbeer) und vom Großen Zoobunker (Hans Laabs) – farbig und expressiv, entstanden in den 1950er Jahren. Sie dokumentieren den Wiederaufbau Berlins. Auch Arbeiten von Künstlerinnen wie Sabine Herrmann und Andrea Pichel, die 2022 eine große Einzelausstellung im Hamburger Bahnhof hatte, sind zu sehen. Monika Sievekings „Zwei Frauen“ aus der Serie „Arbeitslosigkeit“ von 1976 und Helmut Verchs „ICC“ von 1981 gehören ebenfalls zur Schau.

Neben den Bildern ist ein wichtiger Teil der Ausstellung eine Video-Installation, in der viele der einst geförderten Künstler zu Wort kommen. „Meine Kollegin Jenny Dirksen und ich haben bereits viele Interviews geführt, die hier auszugsweise zu sehen sind“, sagt Rust von Krosigk. Weitere Interviews sollen folgen, denn „die Biografien der Künstlerinnen und Künstler sind ein wichtiger Teil der Erschließungsarbeit“.

Depot öffnet sich der Öffentlichkeit

Das Open House im Depot in der Ringstraße 66 in Mariendorf ist der erste Schritt, den Bestand der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Wir wollen zeigen, dass der Bestand kein abgeschlossenes Kapitel ist, sondern ein Projekt, das die Öffentlichkeit sucht“, betont Rust von Krosigk. Gemeinsam mit der Stadtgesellschaft, Künstlern und Fachleuten soll darüber nachgedacht werden, wie die Sammlung auch für die Zukunft zugänglich gemacht werden kann. Die Stiftung Archiv der Sozialen Künstlerförderung wurde 2022 von der Stiftung Stadtmuseum und dem Landesamt für Gesundheit und Soziales ins Leben gerufen. „Wir sind dabei, den Bestand zu erfassen und wissenschaftlich zu erschließen“, so Rust von Krosigk. Später sollen Konzepte für den Standort und den künftigen Einsatz der Kunstwerke entwickelt werden. „Außerdem arbeiten wir daran, sämtliche Kunstwerke und unsere Dokumentation zu digitalisieren“, sagt Rust von Krosigk. Die Ergebnisse sollen dann allen Interessierten im Internet zur Verfügung stehen.

Der Besuch des Depots am Samstag, 27. Juni, von 12 bis 18 Uhr ist ausschließlich nach vorheriger Anmeldung möglich: stadtmuseum.de/open-house.

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