In Berlin soll die Barrierefreiheit weiter ausgebaut werden. Seit dem 1. November 2025 ist die Landesfachstelle für Barrierefreiheit und angemessene Vorkehrungen des Landes tätig. Sie wird zunächst bis Ende 2027 gefördert und hat seit ihrem Start rund 50 Anfragen bearbeitet. Das gab die Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Diskriminierung bekannt.
Krauthausen: Barrierefreiheit ist Frage der Willkommenskultur
Der Inklusionsaktivist Raúl Krauthausen, Mitbegründer des Vereins Sozialheld*innen, der die Landesfachstelle betreut, betonte: „Barrierefreiheit ist kein Nice-to-have. Sie ist eine Frage, ob ich als Mensch in dieser Stadt willkommen bin oder nicht.“ Berlin sei nicht die schlechteste Stadt, was Barrierefreiheit angehe, aber es gebe Ausbaupotenzial, so Krauthausen.
Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) besuchte den Verein und unterstrich die Bedeutung von Barrierefreiheit für alle: „Von Barrierefreiheit profitieren nicht nur Menschen mit Beeinträchtigungen, sondern auch Ältere, Familien, Menschen mit wenig Deutschkenntnissen, einer Lese-Rechtschreibschwäche oder vorübergehenden Einschränkungen.“ In Berlin leben 336.000 Menschen mit anerkannter Schwerbehinderung.
Landesfachstelle berät öffentliche Stellen und Vereine
Die Landesfachstelle richtet sich in erster Linie an öffentliche Stellen des Landes, also Bezirksverwaltungen, Behörden oder Gerichte. Aber auch Vereine, Verbände und Organisationen der Zivilgesellschaft sowie Unternehmen können sich an die Stelle wenden. Zu den bisherigen Anfragen gehörten die Entwicklung eines Barrierefreiheitskonzepts der Stadtbibliothek Pankow sowie die Beratung von Visit Berlin und des Weihnachtsmarktes am Gendarmenmarkt zu barrierefreier Kommunikation.
Der Verein Sozialheld*innen arbeitet seit 21 Jahren zu den Themen Inklusion, Teilhabe und Barrierefreiheit. Krauthausen fordert, dass Barrierefreiheit immer von Anfang an mitgedacht werden müsse. Die Landesfachstelle soll dazu beitragen, dass dies in der Praxis umgesetzt wird.
Ausbau der Barrierefreiheit als gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Kiziltepe hob hervor, dass Barrierefreiheit eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei. „Es geht nicht nur um bauliche Maßnahmen, sondern auch um digitale Barrierefreiheit und barrierefreie Kommunikation“, sagte die Senatorin. Die Landesfachstelle unterstützt dabei mit Beratung und Konzepten.
Mit der Einrichtung der Fachstelle wolle der Senat ein Zeichen setzen. „Wir wollen Berlin inklusiver machen – für alle Menschen, die hier leben oder zu Besuch sind“, so Kiziltepe. Die bisherigen Anfragen zeigten, dass der Bedarf groß sei.
Die Landesfachstelle ist bei den Sozialheld*innen angesiedelt und wird aus Landesmitteln finanziert. Sie soll als zentrale Anlaufstelle für Fragen der Barrierefreiheit dienen und sowohl öffentliche als auch private Akteure unterstützen.



