250 Jahre USA: Vom Tellerwäscher zum Millionär – was vom amerikanischen Traum bleibt
250 Jahre USA: Was vom amerikanischen Traum geblieben ist

250 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung der USA ist der amerikanische Traum für viele Bürger in weite Ferne gerückt. Während einige noch an die Verheißung von Wohlstand und Aufstieg glauben, empfinden andere die einstigen Versprechen als bloße Illusion. Eine repräsentative Umfrage des Pew Research Center zeigt, dass fast 60 Prozent der US-Bürger überzeugt sind, die besten Jahre der Nation lägen bereits in der Vergangenheit. Zugleich geht mehr als die Hälfte der Erwachsenen davon aus, dass die USA bis 2050 wirtschaftlich an Bedeutung verlieren und politisch noch stärker gespalten sein werden.

Hoffnung und Skepsis in Philadelphia

Direkt vor der historischen Kulisse des Independence Parks in Philadelphia, wo am 4. Juli 1776 die Unabhängigkeitserklärung verabschiedet wurde, treffen gegensätzliche Ansichten aufeinander. Aaron bringt den Traum, den er mit seinem Land verbindet, auf eine einfache Formel: „der konstante Glaube an Hoffnung“. Er sagt: „Der Traum mag nicht für jeden derselbe sein, aber jeden Tag wachst du mit der Chance auf, daran zu arbeiten, dass er wahr wird.“

Nur wenige Meter weiter äußern sich Adriana und Richard deutlich pessimistischer. Für sie ist die Vorstellung gleicher Zugangsmöglichkeiten zu wirtschaftlichem Erfolg und medizinischer Versorgung eine „Lüge“, die ihnen von Lehrkräften, Politikern und Medien vermittelt werde. Richard erklärt: „Ich glaube, der amerikanische Traum ist komplett zu einem amerikanischen Albtraum geworden.“ Seiner Ansicht nach gelten die Chancen in der Realität nur für Weiße aus der Mittelschicht.

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Wirtschaftliche Sorgen und strukturelle Ungleichheit

Ein Grund für die wachsende Skepsis sind die trüben Zukunftsaussichten. Die Vision, dass jeder hart arbeitende Mensch den sozialökonomischen Aufstieg schaffen kann, bekommt angesichts von Inflation und struktureller Ungleichheit Risse. Steigende Kosten für Wohnraum, Lebenshaltung, Gesundheitsfürsorge und Hochschulbildung setzen viele Amerikaner unter Druck, während die Lohnentwicklung nicht Schritt hält.

Zwar gibt es vereinzelt Menschen, die etwa durch den KI-Boom auf der Karriereleiter ganz nach oben gelangen. Viele andere kämpfen jedoch darum, über die Runden zu kommen. Die 51-jährige Janis aus Philadelphia sagt: „Amerikanischer Traum bedeutet für mich leben, Essen kaufen, seine Rechnungen bezahlen können. Das ist heutzutage so schwer.“ Sie beklagt, dass alles teurer geworden sei und man heute oft zwei Jobs brauche.

Migrationspolitik und Geburtsrecht

Ökonomen zufolge tragen auch rückläufige Migrationszahlen zu den hohen Verbraucherpreisen bei. Menschen aus dem Ausland, die bereit sind, für weniger Geld zu arbeiten, bilden einen bedeutenden Teil der Arbeiterbasis in den USA. Angesichts der restriktiven Migrationspolitik von Präsident Donald Trump machen solche Arbeitskräfte jedoch zunehmend einen Bogen um die USA. Da Firmen, Farmer und Restaurants höhere Löhne zahlen müssen, verteuern sich Produkte und Dienstleistungen weiter, was wiederum Rücklagen erschwert.

Trump versuchte zudem, das in der US-Verfassung verankerte Geburtsrecht drastisch einzuschränken. Gleich zu Beginn seiner zweiten Amtszeit unterzeichnete er eine entsprechende Anordnung – doch der Supreme Court machte ihm kürzlich einen Strich durch die Rechnung. Das oberste US-Gericht entschied, dass Kinder, die in den Vereinigten Staaten zur Welt kommen, automatisch die US-Staatsbürgerschaft erlangen – auch wenn ihre Eltern sich illegal oder nur vorübergehend im Land aufhalten. Der Vorsitzende Richter John Roberts schrieb in der Urteilsbegründung: „Damals wie heute bedeutet Staatsbürgerschaft das Recht, Rechte zu haben – frei an unserer politischen Gemeinschaft teilzunehmen.“

Martin Luther Kings Traum und aktuelle Rückschläge

Bereits vor über 60 Jahren mahnte der Bürgerrechtler Martin Luther King die Gleichberechtigung aller Amerikaner an. In seiner berühmten Rede 1963 vor dem Lincoln Memorial sagte er: „Ich habe den Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einem Land leben werden, in dem sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilt werden.“ Mit dieser Vision der Gleichheit von Schwarzen und Weißen schrieb King Geschichte und traf den wunden Punkt einer durch Rassismus und staatlich verordnete Trennung gespaltenen Nation.

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Es folgten historische Errungenschaften wie der Voting Rights Act von 1965 zur Absicherung des Wahlrechts für Minderheiten. Doch mit einem jüngsten Urteil zur Neuzeichnung von Wahlkreisen hat der Supreme Court den Schutz von Minderheiten bei der Wahlkreisgestaltung wieder geschwächt.

Der amerikanische Traum als Ideal

Im Jubiläumsjahr 2026 hat der Optimismus in den USA tiefe Risse bekommen. Weniger als die Hälfte der befragten Amerikaner (46 Prozent) glaubt überhaupt noch an eine Chancengleichheit für alle im Land, wie eine repräsentative Umfrage des Milken Center for Advancing the American Dream zeigt. Zugleich sind 58 Prozent der Meinung, der amerikanische Traum sei 250 Jahre nach der Unabhängigkeit noch nicht vollendet. Dennoch halten 78 Prozent es weiterhin für wichtig, nach ihm zu streben.

Die Autoren der Milken-Studie folgern aus den Daten, dass viele Menschen in den USA weiterhin an den amerikanischen Traum als „erstrebenswertes Ideal“ glauben. Die Zuversicht, dass er sich für den Einzelnen heute noch verwirklichen lässt, hat jedoch nachgelassen.