Krankschreibung ab Tag 1: Merz und Klingbeil verteidigen Reformpläne
Krankschreibung ab Tag 1: Merz und Klingbeil verteidigen Reform

Die geplante Einführung der verpflichtenden Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag sorgt für heftige Debatten. Während Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) und Kanzler Friedrich Merz (CDU) die Reform verteidigen, warnen Krankenkassen und Ärzte vor einer Überlastung der Praxen.

Hintergrund der Reform

Die schwarz-rote Koalition will den Krankenstand in deutschen Unternehmen senken. Dazu sollen höhere Anforderungen an Krankschreibungen gelten. Künftig muss eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits am ersten Krankheitstag vorgelegt werden – bisher war dies erst ab dem vierten Tag Pflicht. Zudem soll die Möglichkeit telefonischer Krankschreibungen ohne Praxisbesuch abgeschafft werden.

Stimmen aus der Koalition

Vizekanzler Lars Klingbeil rechtfertigte die Verschärfungen als notwendigen Kompromiss. „Das müssen wir jetzt vernünftig gestalten, was da im Koalitionsausschuss vorgeschlagen wurde“, sagte er bei RTL/ntv. Kanzler Friedrich Merz erklärte in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“: „Sie müssen nicht am ersten Tag in die Arztpraxis. Sie müssen vom ersten Tag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung haben.“ Er betonte, dass Unternehmen abweichende Regeln treffen könnten.

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Kritik von Krankenkassen und Ärzten

Die Krankenkasse DAK-Gesundheit warnt vor negativen Effekten. „Die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung steigert die Zahl der Arztkontakte und damit auch die Belastung der Beschäftigten in den Praxen“, sagte Vorstandschef Andreas Storm der Deutschen Presse-Agentur. „In Kombination mit dem Zwang zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag drohen überfüllte Hausarztpraxen.“

Laut einer Analyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) und der Barmer Krankenkasse auf Basis von Abrechnungsdaten von 2020 bis 2023 hatten telefonische Krankschreibungen einen Anteil von jährlich 0,8 bis 1,2 Prozent an allen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen. Es hätten sich keine Hinweise gefunden, dass sie maßgebliche Treiber des höheren Krankenstandes seien.

Teilkrankschreibungen als Alternative

DAK-Chef Storm schlug vor, das Potenzial der Teilkrankschreibung zu nutzen. „Um den hohen Krankenstand wirksam reduzieren zu können, sollten wir das Potenzial der Teilkrankschreibung nutzen“, sagte er. Erfahrungen aus skandinavischen Ländern zeigten, dass mehr Flexibilität Beschäftigte im Arbeitsprozess halten könne. Ministerin Nina Warken (CDU) plant bereits die Einführung von Teilkrankschreibungen: Beschäftigte sollen sich bei längeren Erkrankungen zu 25, 50 oder 75 Prozent der üblichen Wochenarbeitszeit krankschreiben lassen können.

Ausblick

Warken verteidigte das Aus für telefonische Krankschreibungen, betonte aber: „Gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass digitale Möglichkeiten wie Videosprechstunde mit dem behandelnden Hausarzt weiterhin möglich sind und verstärkt genutzt werden.“ Sie wolle eine Regelung schaffen, „die Missbrauch unterbindet und gleichzeitig dem Ziel folgt, für den Einstieg in die Versorgung deutlich stärker auf Digitalisierung zu setzen“. Die genaue Ausgestaltung der Reform wird noch diskutiert.

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