Lesermeinungen zur WM: Kritik an Nagelsmann und fehlendem Siegeswillen
Lesermeinungen zur WM: Kritik an Nagelsmann und fehlendem Willen

Debatte um das WM-Aus: Wer trägt die Schuld?

Nach dem überraschenden Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ist die Diskussion um die Gründe für das Scheitern in vollem Gange. Leser der Berliner Morgenpost melden sich mit teils deutlicher Kritik zu Wort. Michael Brenner aus Berlin konstatiert: „Es ist naturgemäß, dass nach einem Ausscheiden immer erst mal nach einem Schuldigen gesucht wird. Hat man ‚ihn‘ ausgemacht, beruhigt das ja ungemein. Wir sind ja nicht wirklich schlecht, es lag halt daran.“ Er vermisst den unbedingten Willen, der die Mannschaft 2014 zum Titel führte: „Dieser Wille war überhaupt nicht erkennbar.“

„Hochmut kommt vor dem (Tor-)Fall“

Ullrich Herzau sieht die Hauptverantwortung bei den Spielern selbst: „Einer meiner Geh-heim-Tipps war die deutsche Mannschaft. Und so kam es ja auch. Trainer Nagelsmann die komplette Schuld dafür zu geben, halte ich für unfair. Die Mannschaft war schlicht und einfach nicht bei der Sache und hat sich mental wahrscheinlich schon im Finale gewähnt. Hochmut kommt halt vor dem (Tor-)Fall.“ Detlef Trzeciak zieht einen bitteren Vergleich: „Wir sind das Land und die Stadt der Enttäuschten. Vom scheidenden Bundespräsidenten hätte man sich mehr erwartet, vom letzten und aktuellen Kanzler und seinen Regierungen ebenso, von den/der letzten Regierenden Bürgermeistern/in sowieso und jetzt auch noch vom Bundestrainer.“

Kritik an Nagelsmanns Arbeit als Bundestrainer

Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann äußert sich grundsätzlich kritisch zu Julian Nagelsmann: „Sie schreiben, dass ‚Nagelsmann zweifelsfrei ein sehr guter Trainer‘ sei. Wirklich? Man muss unterscheiden zwischen den Anforderungen an einen Bundes- und an einen Vereinstrainer, die völlig unterschiedlich sind. Als Bundestrainer hat Nagelsmann komplett versagt.“ Er prophezeit, dass der DFB die hohen Kosten einer Kündigung scheuen werde, und dass Rudi Völler die Öffentlichkeit mit „Honig um den Bart schmieren“ werde.

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Historische Vergleiche und Wirtschaftsparallelen

Peter Knief wagt einen Vergleich mit Legende Sepp Herberger: „Er hätte seine Meinung wohl so zum Ausdruck gebracht: ‚Das Hin-und-her-Geschubse des Balles vor dem Tor soll also heutzutage Fußball sein. Da hätte sich Helmut Rahn auf Vorlage vom Fritz ganz allein mit dem Ball am Fuß durchgezwängt und dann natürlich auch noch ins Netz getroffen. Für das, was ich da gesehen habe, gäbe es von mir jedenfalls keinen Taler.‘“ Stefan Schmidt sieht Parallelen zur Wirtschaft: „Vergleichen Sie mal unseren WM-Fußball und unsere Wirtschaft. Bei beiden geht schon lange nichts mehr, und man kann beiden nur eine bessere Zukunft wünschen.“ Siegfried Werth hofft auf weniger Fußball im Fernsehen: „Es fehlt einfach der Ansporn, ambitionierten Fußball zu spielen. Warum auch? Ich hoffe, dass jetzt die Fußballdominanz im TV aufhört.“

Lokale Themen: Müllchaos und Altstadtpläne

Neben der WM beschäftigen die Leser auch lokale Berliner Themen. Frank Behrend kritisiert die Berliner Stadtreinigung (BSR) wegen eines unangekündigt geschlossenen Recyclinghofs in Prenzlauer Berg, der zu einer 50 Meter langen Müllschlange führte: „Diesen Müllhaufen haben die BSR zu verantworten. Wegräumen und überlegen, wie man beim nächsten Mal den Arbeitsschutz der Mitarbeiter organisiert, ohne gleich den Betrieb zu schließen.“

Zum geplanten Wiederaufbau der historischen Altstadt am Molkenmarkt gibt es positive und skeptische Stimmen. Jan Cremer freut sich: „Es heißt ja immer, das sei architektonisch rückwärtsgewandt. Gleichwohl zeigen Beispiele wie das von Frankfurt, wie nachhaltig die historischen Bauten einfach schön aussehen, während moderne Häuser oftmals nach fünf Jahren fürchterlich ramponiert wirken. Bin gespannt!“ Volker Dieling, der sich als „Linksgrüner“ bezeichnet, fordert: „Mut zur Schönheit, bitte!“ Ulrich Emm hingegen warnt: „Wenn diese rückwärtsgewandte Architektur Berlins Antwort auf die Bauaufgaben von morgen sein soll, dann gute Nacht.“

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EU-Verbot von Veggie-Bezeichnungen stößt auf Unverständnis

Ein weiteres Thema ist das geplante EU-Verbot von Begriffen wie „Seitan-Steak“ oder „Veggie-Hühnchen“. Petra Hammann kommentiert sarkastisch: „Liebe EU-Politiker, mit dieser Entscheidung habt ihr die Intelligenz von 450 Millionen Bürgerinnen und Bürgern beleidigt. Der Karnivore, der im Veggie-Schnitzel Fleisch vermutet, sucht im Leberkäs auch ein Melkerzeugnis und trinkt Scheuermilch.“

Die Redaktion der Berliner Morgenpost betont, dass die veröffentlichten Leserbriefe die Meinung der Leser widerspiegeln, nicht die der Redaktion. Aufgrund der hohen Zahl an Zuschriften können nicht alle veröffentlicht werden.