16 km zum WM-Stadion: Unsere Autorin testet den Fußmarsch trotz offizieller Warnungen
16 km zum WM-Stadion: Test des Fußmarsches trotz Warnungen

Unsere Autorin Helena Wittlich machte sich trotz offizieller Warnungen zu Fuß auf den Weg zum WM-Stadion in New Jersey, wo am Donnerstag Deutschland auf Ecuador trifft. 16 Kilometer und über 20.000 Schritte später erreichte sie das Ziel – und zog ein gemischtes Fazit. Die größte Motivation: Eine Hin- und Rückfahrkarte mit dem Zug von der Penn Station kostet 98 Dollar, der Shuttlebus für 20 Dollar ist oft ausverkauft. Laufen hingegen ist kostenlos.

Offizielle Warnungen: „Gehen Sie nicht zu Fuß“

Schon Wochen vor der Weltmeisterschaft warnten New Yorker in sozialen Medien Europäer davor, zum Stadion zu laufen. Die Strecke führt durch Highways und Sumpfgebiet, es drohten Überfahrenwerden oder Versinken im Schlick. Sogar offizielle Stellen schalteten sich ein. „Gehen Sie nicht zu Fuß“, erklärte Alex Lasry, Geschäftsführer des New York New Jersey Host Committee. „Sie würden sich selbst, die Einsatzkräfte und andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr bringen, wenn Sie zu Fuß zum Stadion gehen.“ Unsere Autorin tat die Warnungen zunächst als übertriebene US-amerikanische Vorsicht ab.

Der Weg: Von der George-Washington-Brücke bis zur Betonwüste

Zwei Wege führen von der New Yorker Penn Station zum Stadion: entweder mit der Fähre über den Hudson River nach Weehawken oder über die George-Washington-Brücke nach Fort Lee. Trotz perfekten Bootwetters entschied sich die Autorin für die Brücke. Der berühmte Architekt Le Corbusier nannte sie „die schönste Brücke der Welt“, die „wie ein junger Athlet“ lächle. Doch nach den ersten Schritten setzte Höhenangst ein. Die George-Washington-Brücke ist die meistbefahrene Kraftfahrtbrücke der Welt und knapp 1,5 Kilometer lang. 20 Minuten dauerte die Überquerung.

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Fort Lee, ursprünglich eine Festung im Unabhängigkeitskrieg, war vor Hollywood das Zentrum der amerikanischen Filmindustrie, bis ein kalter Winter 1918 die Studios unbeheizt ließ und sie ins warme Kalifornien zogen. Nach 1,5 Stunden gönnte sich die Autorin eine erste Pause: ein Bagel mit Lachs, günstiger als in New York. Der Bundesstaat New Jersey steht ähnlich im Schatten New Yorks wie Brandenburg Berlins. Auch bei der WM herrscht Unmut darüber, dass New York zuerst genannt wird, obwohl das Stadion in New Jersey liegt.

Idylle am Overpeck Creek und die Betonwüste

Der schönste Teil der Strecke war der Overpeck Creek, ein kleiner Fluss mit einem Park. Angler standen am Ufer, ein Kanuverleih warb mit einem Sonderangebot. Es roch nach See und frisch gemähtem Gras. Doch dann bog die Autorin ins Industriegebiet ab. Über die Hälfte der Strecke war geschafft, und es begann, immer weniger Spaß zu machen. Mittagszeit, die Sonne brannte. New Jersey liegt auf demselben Breitengrad wie Neapel, dementsprechend heiß war es.

Über eine Brücke ging es über die Autobahn I-95, auf der Trucks Richtung Stadion rauschten. Verzweifelte Fans am Seitenrand: keine. Dann über den Hackensack River. Je näher das Stadion, desto mehr WM-Spuren: hier eine Flagge, da eine Girlande. Ein Anwohner verkaufte Neymar-Gemälde und wünschte der Autorin Glück für die letzten 40 Minuten. Eine Freundin schrieb: „Hast du es geschafft?“ Die meisten hielten das Experiment für wahnsinnig. So langsam glaubte die Autorin das auch.

Rettung durch Manny und seinen Foodtruck

Dann sah sie Manny – und seinen Foodtruck mit kalten Getränken. Er freute sich über Mexikos Erfolg bei der WM. Gerne wäre er ins Stadion gegangen, aber die Tickets seien viel zu teuer. „Zehn Minuten, dann hast du es geschafft!“, redete er ihr gut zu. Er hatte recht. Die mexikanische Limo war noch nicht ausgetrunken, da sah die Autorin die Absperrungen des Stadions. Über leere Parkplätze lief sie zum Eingang. Über 20.000 Schritte, 16 Kilometer und vier Stunden später erhob sich das New York New Jersey Stadion vor ihr.

Das Fazit: Man kann zum Stadion laufen. Sollte man aber lassen. Die Autorin blieb auf Bürgersteigen, sodass weder Einsatzkräfte noch Verkehrsteilnehmer noch sie selbst in Gefahr waren. Trotzdem hatte Lasry nicht ganz unrecht: Die Strecke ist beschwerlich, die Hitze extrem, und die Umgebung ist oft eine Betonwüste. Wer Geld sparen will, sollte lieber frühzeitig den Shuttlebus buchen oder sich mit anderen Fans zusammenschließen, um die Zugkosten zu teilen.

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