Drei Monate nach dem Ende der Regionalliga-Arbeitsgruppe wollte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) über die Ergebnisse der Reform abstimmen lassen. Doch das favorisierte Kompassmodell wurde kurz vor der Abstimmung verändert – mit weitreichenden Folgen: Hansa Rostock hat als erster Traditionsverein angekündigt, nicht am Votum teilzunehmen. Der Drittligist spricht von einem „nicht sauberen Reformprozess“, der Vertrauen zerstöre.
Hansa Rostock: „Kein sauberer Reformprozess mehr“
„Das ist kein sauberer Reformprozess mehr. Das ist ein Verfahren, das Vertrauen zerstört“, erklärte der FC Hansa Rostock in einer Stellungnahme. Der Verein kritisiert, dass nicht die gemeinsam erarbeiteten Grundlagen zählten, sondern kurzfristig veränderte Spielregeln im entscheidenden Moment. „Ein zentrales Modell wird auf den letzten Metern verändert, Abstimmungslogiken werden umgestellt, Mehrheiten werden faktisch relativiert“, so der Klub weiter.
Die Verantwortung für den Ablauf tragen die Regionalverbandsbosse Peter Frymuth (69, Westen), Dr. Christoph Kern (43, Bayern) und Ralph-Uwe Schaffert (75, Norden). Sie hatten das Kompassmodell kurzfristig frisiert: Acht Startplätze wurden gestrichen, und statt der ursprünglich geplanten 20er-Staffeln wurden vier 18er-Staffeln festgelegt – eine Änderung, die so nie vorgesehen war.
Experte kritisiert undemokratische Prozesse
Prof. Harald Lange (57) von der Universität Würzburg kann das Verhalten von Hansa Rostock nachvollziehen. „Das passt zu den DFB-Mustern, es handelt sich hier nicht um einen sauberen demokratischen Prozess“, sagte der Sportwissenschaftler. Er ist überzeugt, dass dieses Verfahren Vertrauen bei Vereinen und Fanszenen „noch und nöcher“ kosten werde. Auch andere Traditionsklubs sollen laut BILD-Informationen einen Boykott erwägen, falls die Verbände ihre Änderungen nicht zurücknehmen.
Hansa Rostock betont: „Wir stehen klar für eine Reform der Regionalligen. Wir wollen einen Fußball, in dem Meister wieder sportlich aufsteigen können und der Wettbewerb fair geregelt ist. Aber: Eine Reform kann nur dann legitim sein, wenn sie auf klaren, stabilen und transparenten Grundlagen basiert.“
„Aus Reformpolitik wird ein Machtspiel“
Der Verein weiter: „Wenn diese Grundlagen kurz vor der Abstimmung verändert werden, wird aus Reformpolitik ein Machtspiel – und genau das machen wir nicht mit.“ Hansa Rostock ist als Drittligist stimmberechtigt und spielte in der Vergangenheit mit seiner zweiten Mannschaft in der Regionalliga Nordost. Der Klub kündigte an, solange nicht an der Abstimmung teilzunehmen, „wie kurz vor der Entscheidung an den Grundregeln geschraubt wird und der Eindruck entsteht, dass Verfahren und Mehrheiten nachträglich angepasst werden.“
Der DFB steht nun vor einem selbst verursachten Scherbenhaufen – und es könnte erst der Anfang sein. Sollten die Verbände nicht einlenken, droht eine Welle von Boykotten durch Traditionsvereine in ganz Deutschland.



