Berlin steht vor der Wahl, und das Bildungssystem ist eines der zentralen Themen. Senatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) führt das Bildungsressort seit mehr als drei Jahren. Ein Fakten-Check zeigt, wie gut die Berliner Schulen tatsächlich dastehen.
Herausforderungen im Überblick
Das Berliner Bildungssystem steht seit Jahren unter Druck. Neben dem Lehrermangel und der Sanierung maroder Schulgebäude kämpft die Hauptstadt mit steigenden Schülerzahlen. Laut aktuellen Zahlen des Senats fehlen in Berlin rund 2.000 Lehrkräfte. Die Bildungsverwaltung setzt daher verstärkt auf Quereinsteiger und Seiteneinsteiger, um die Lücken zu schließen.
Ein weiteres Problem ist der Sanierungsstau: Über 1,5 Milliarden Euro sind nötig, um alle Schulgebäude in einen modernen Zustand zu versetzen. Bisher wurden jedoch nur rund 400 Millionen Euro bereitgestellt. Senatorin Günther-Wünsch betont, dass die Priorität auf der Instandhaltung von Grundschulen liege, da dort die Basis für die weitere Bildung gelegt werde.
Fortschritte und Erfolge
Trotz der Schwierigkeiten gibt es auch positive Entwicklungen. So konnte die Zahl der Schulabbrecher in den letzten drei Jahren um 12 Prozent gesenkt werden. Zudem wurden über 500 neue Schulplätze durch modulare Ergänzungsbauten geschaffen. Der Anteil der Schüler, die die empfohlenen Lernstandards in Deutsch und Mathematik erreichen, stieg leicht an.
Günther-Wünsch erklärte: „Unser Ziel ist es, jedes Kind bestmöglich zu fördern. Die ersten Maßnahmen zeigen Wirkung, aber wir sind noch lange nicht am Ziel.“ Die Senatorin verwies auf das neue Digitalpaket, das allen Schulen bis 2027 einen schnellen Internetzugang ermöglichen soll.
Kritik aus der Opposition
Die Opposition sieht hingegen weiterhin große Defizite. Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Maren Jasper-Winter, kritisierte: „Die Senatorin redet von Fortschritten, aber die Realität sieht anders aus. Viele Schulen haben immer noch keine ausreichende digitale Ausstattung, und der Unterrichtsausfall ist auf einem Höchststand.“ Nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fielen im vergangenen Schuljahr durchschnittlich 8 Prozent der Unterrichtsstunden aus.
Die Linke fordert zudem kleinere Klassen und mehr Sozialarbeiter an den Schulen. „Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen“, so die Fraktionsvorsitzende Anne Helm.
Ausblick und Handlungsbedarf
Bis zur Wahl im September 2026 wird das Bildungsthema weiterhin im Fokus stehen. Experten fordern eine langfristige Strategie, die über Wahlperioden hinausreicht. Der Berliner Landeselternausschuss plädiert für eine verlässliche Finanzierung und mehr Mitspracherecht der Eltern. Senatorin Günther-Wünsch kündigte an, nach der Wahl einen neuen Bildungsgipfel einzuberufen, um die drängendsten Probleme anzugehen.
Der Fakten-Check zeigt: Das Berliner Bildungssystem hat sich in Teilen verbessert, aber die Herausforderungen bleiben groß. Die nächste Legislaturperiode wird entscheidend sein, um nachhaltige Fortschritte zu erzielen.



