Hitzewelle in Berlin: Fußballverband sagt Spiele ab, Seniorenwoche verschoben
Hitzewelle in Berlin: Fußballspiele abgesagt

Der Berliner Fußball-Verband hat wegen der angekündigten Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 40 Grad die meisten Spiele am Wochenende abgesagt. Nur Partien, die für Aufstieg, Abstieg oder Meisterschaft entscheidend sind, sollen in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden verlegt werden. Dies teilte der Verband am Donnerstag mit.

Seniorenwoche und weitere Veranstaltungen abgesagt

Berlins Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) sagte die Auftaktveranstaltung der Berliner Seniorenwoche am Sonnabend ab. „So leid es mir tut, aber ich muss die Eröffnungsveranstaltung absagen. Vor allem ältere Menschen sollten bei dieser Hitze zu Hause bleiben. Ihre Gesundheit und Unversehrtheit steht für mich an oberster Stelle“, wird Kiziltepe in einer Mitteilung zitiert. Die Seniorenwoche dauert bis zum 4. Juli und umfasst mehr als 300 Veranstaltungen. Die übrigen Termine in der kommenden Woche sollen stattfinden, aber Kiziltepe kündigte an, zu prüfen, ob die Seniorenwoche künftig im Frühjahr oder Herbst stattfinden kann.

Auch zwei Seniorenveranstaltungen in Spandau wurden abgesagt: die Sommerhausparty im Seniorenklub Südpark am 26. Juni und das Gartenfest im Seniorenklub Lindenufer am 27. Juni. Das Bezirksamt verwies auf „erhebliche Gesundheitsrisiken“ durch die Hitze.

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Hitzerekord in Berlin erwartet

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet am Wochenende mit Höchsttemperaturen von 37 bis 40 Grad. Der bisherige Hitzerekord für Berlin liegt bei 38,6 Grad, gemessen am 30. Juni 2019 in Tegel. „In dieser Größenordnung werden wir landen“, sagte DWD-Meteorologe Stefan Rubach. Es werde „sehr heiß, ungewöhnlich heiß für Juni“. Derartige Temperaturen im Juni häuften sich in den letzten Jahren.

Auch die Nächte könnten Rekorde brechen: Für die Nächte zum Sonntag und Montag prognostizieren Wettermodelle Tiefstwerte zwischen 23 und 25 Grad. Werte über 20 Grad gelten als „Tropennacht“, statistisch erlebt Berlin nur 1,3 solcher Nächte pro Jahr.

Krankenhäuser und Rettungsstellen unter Druck

Berlins Krankenhäuser versorgen vermehrt Hitzepatienten, insbesondere ältere Menschen mit Kreislaufproblemen. Auch Hausarztpraxen berichten von vermehrten Vorstellungen wegen Schwindel und Kreislaufbeschwerden. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte besseren Hitzeschutz für Einsatzkräfte. Landeschef Stephan Weh sagte: „Die Temperaturen belasten unsere Kolleginnen und Kollegen bei Polizei und Feuerwehr immens.“ Es fehle an Klimaanlagen und Ventilatoren in den Dienststellen. Weh forderte „Klimaanlagen, Ventilatoren, hygienisch unbedenkliche Trinkwasserspender und Cooling-Down-Räume“.

Absagen und Verschiebungen im Überblick

Neben dem Fußball und der Seniorenwoche wurden zahlreiche weitere Veranstaltungen abgesagt oder verschoben:

  • Freitag: Die Gartenführung „Geheimnisse des Schlossgartens Charlottenburg“ entfällt, ebenso das Clean-Up im Ottopark-Kiez.
  • Samstag: Die Hellersdorfer Mini-WM für Kinder fällt aus. „Die Entscheidung ist uns allen nicht leichtgefallen. Die Vorfreude bei den Kindern war spürbar groß“, teilte die Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land mit. Der Fahrrad-Pride in Potsdam wurde abgesagt, soll aber im Herbst nachgeholt werden. Das After-Pride-Festival im KuZe findet jedoch wie geplant ab 18 Uhr statt.
  • Sonntag: Der Tag der offenen Tür im Skulpturenpark in Lübbenau wird auf den 27. September verschoben.
  • Die Trabrennbahn Mariendorf hat zwölf Rennen des „Gold, Silber, Newcomer“-Sonntags auf Dienstag verschoben, Starts ab 17 Uhr. „Ganz im Sinne aller beteiligten Aktiven und vor allem natürlich der Pferde werden damit jegliche Gesundheitsgefährdungen vermieden“, hieß es.

Abkühlung in Freibädern und an Seen

Die Berliner Bäder-Betriebe melden hohe Auslastung. Das Columbiabad in Neukölln öffnete früher als geplant am Mittwoch, nachdem technische Probleme behoben wurden. Das Prinzenbad in Kreuzberg ist ebenfalls wieder komplett geöffnet. Eine Live-Karte zeigt die Auslastung der Freibäder in Echtzeit. Auch an den Wasserspielplätzen wie am Weinbergspark und am Nordbahnhof suchen Familien Abkühlung.

Der Spektesee in Spandau bleibt jedoch tabu: Das Gesundheitsamt warnt vor erhöhten Keimwerten und rät vom Baden ab.

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Wasserversorgung und Blutspenden

Die Wasserversorgung in Berlin bleibt stabil, wie die Berliner Wasserbetriebe mitteilten. Der DRK-Blutspendedienst Nord-Ost ruft angesichts kritischer Reserven zur Blutspende auf. „Allein in Berlin und Brandenburg benötigen wir rund 600 Blutspenden an jedem Werktag“, hieß es. Blutspenden sei auch bei Hitze möglich, die Trinkmenge solle jedoch auf drei Liter erhöht werden.

Der Verein Silbernetz bietet einen neuen Wetter-Service für Senioren an: Über ein Infotelefon werden ältere Menschen automatisch vor Extremwetter gewarnt und erhalten Verhaltenstipps. „Extreme Wetterlagen können insbesondere für ältere und alleinlebende Menschen zur Belastung werden“, erklärte Leiterin Kerstin Winkler.