Die Europäische Union bereitet Vergeltungszölle auf US-Produkte vor, nachdem US-Präsident Donald Trump neue Abgaben auf Stahl- und Aluminiumimporte verhängt hat. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte an, dass die EU „entschlossen und verhältnismäßig“ reagieren werde. Die Vergeltungsmaßnahmen könnten bereits im April in Kraft treten, falls keine diplomatische Lösung gefunden wird.
Details der US-Zölle
Trump hatte am Montag per Dekret Zölle von 25 Prozent auf Stahlimporte und 10 Prozent auf Aluminiumimporte verhängt. Die Abgaben gelten für alle Länder, darunter auch die EU. Betroffen sind Lieferungen im Wert von rund 6,4 Milliarden Euro pro Jahr. Die USA begründen die Maßnahmen mit nationalen Sicherheitsinteressen.
Die EU-Kommission hat eine Liste von US-Produkten erstellt, die mit Vergeltungszöllen belegt werden sollen. Dazu gehören Bourbon-Whiskey, Motorräder, Orangensaft und Erdnussbutter. Die Zölle würden schrittweise eingeführt: Zunächst auf Waren im Wert von 2,8 Milliarden Euro, später auf weitere 3,6 Milliarden Euro.
Reaktionen aus Deutschland
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bezeichnete die US-Zölle als „rechtswidrig“ und schädlich für den Welthandel. Er betonte: „Die EU wird nicht zögern, ihre Interessen zu verteidigen.“ Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) kritisierte die Entscheidung scharf. BDI-Präsident Siegfried Russwurm warnte vor einer Eskalation des Handelskonflikts: „Die USA riskieren eine Spirale von Vergeltungsmaßnahmen, die am Ende allen schadet.“
Die deutsche Stahlindustrie fürchtet Umsatzeinbußen. Der Verband der Stahlindustrie erklärte, die US-Zölle träfen die Branche zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Unternehmen hätten bereits mit hohen Energiekosten und schwacher Nachfrage zu kämpfen.
Auswirkungen auf den Welthandel
Die Ankündigung der EU-Vergeltungsmaßnahmen könnte den Handelskonflikt zwischen den USA und Europa weiter verschärfen. Experten befürchten negative Folgen für die globale Wirtschaft. Das Ifo-Institut schätzt, dass die Zölle das deutsche Bruttoinlandsprodukt um bis zu 0,2 Prozentpunkte senken könnten. Besonders betroffen wären die Automobilindustrie und der Maschinenbau.
Die EU setzt auf Verhandlungen: Handelskommissar Maroš Šefčovič soll in Washington eine Lösung suchen. Sollte dies scheitern, droht ein Handelskrieg, der beide Seiten Milliarden kosten würde. Die EU-Kommission betonte, man wolle eine Eskalation vermeiden, sei aber bereit, „alle notwendigen Schritte zu unternehmen“.



