Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 lockt nicht nur Millionen von Fans vor die Bildschirme, sondern auch eine immense Wetteuphorie. Nach Schätzungen der Investmentbank Macquarie belaufen sich die globalen Wetteinsätze auf rund 50 Milliarden US-Dollar. Im Vergleich dazu waren es bei der WM 2022 in Katar noch etwa 35 Milliarden Dollar. Ein deutlicher Anstieg, der vor allem dem Schwarzmarkt zugutekommt.
Deutscher Wettmarkt: Legal versus illegal
In Deutschland rechnet der Deutsche Sportwettenverband (DSWV) mit einem Gesamtvolumen von knapp einer Milliarde Euro. Davon entfallen 600 bis 700 Millionen Euro auf lizenzierte Anbieter, während 300 bis 400 Millionen Euro auf dem Schwarzmarkt bei illegalen Buchmachern landen. Diese zahlen keine Steuern an den deutschen Fiskus und entziehen sich der staatlichen Kontrolle.
Die Glücksspielbehörde der Länder (GGL) verzeichnet ein Wachstum des Schwarzmarkts um 17 Prozent von 2024 auf 2025. Im Gegensatz dazu stagniert der legale Markt: Laut DSWV wurden 2023 insgesamt 7,9 Milliarden Euro umgesetzt, 2024 waren es 8,2 Milliarden und 2025 lediglich 8,3 Milliarden Euro.
Ursachen für die Schieflage
Der DSWV macht den 2021 in Kraft getretenen Glücksspielstaatsvertrag verantwortlich, der das legale Wettangebot im internationalen Vergleich zu streng reguliere. Eine Auswertung des Beratungsunternehmens H2 Gambling Capital zeigt: Der Bruttospielertrag im legalen Online-Glücksspielmarkt liegt im europäischen Durchschnitt bei 98 Euro, in Deutschland hingegen nur bei 23 Euro. Die Erklärung des DSWV: Aufgrund des eingeschränkten Angebots legaler Anbieter wandern viele Wetten auf den Schwarzmarkt ab.
Die Folgen spürt auch der Sport: Die Sponsoring-Ausgaben legaler Anbieter sind von 84 Millionen Euro in der Saison 2020/21 auf 47 Millionen Euro in der Saison 2024/25 gesunken – ein Rückgang um fast die Hälfte.
Forderungen an die Politik
In diesem Jahr beginnt die gesetzlich vorgesehene Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags, die alle fünf Jahre stattfindet. Die überarbeitete Fassung soll Anfang 2029 in Kraft treten. Der DSWV hat konkrete Forderungen an die Politik:
- Einrichtung einer Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft zur Bekämpfung des Schwarzmarkts
- Verstärkte Netzsperren illegaler Wettangebote (IP Blocking)
- Vermehrte Zahlungsuntersagungen gegen Finanzdienstleister (Payment Blocking)
- Konsequentes Vorgehen gegen Werbepartner illegaler Anbieter
- Stärkung des legalen Marktes durch „vorsichtige Lockerungen“ der Restriktionen, insbesondere bei Live-Wetten
Spielerschutz als Argument
Der DSWV argumentiert, dass nur auf dem legalen Markt ein wirksamer Spielerschutz gewährleistet sei. Dazu gehören ein anbieterübergreifendes Sperrsystem und Einzahlungslimits. Zudem betreibe die GGL mit dem sogenannten „Safe Server“ eine zentrale Datenplattform, die jede Wettbewegung in Echtzeit erfasse und auffälliges Spielverhalten sofort erkennen könne.
Die Hoffnung der Branche: Durch Schutzmaßnahmen und garantierte Gewinnauszahlungen sollen die Zocker – ein Drittel von ihnen ist auch Kunde illegaler Anbieter – vom Schwarzmarkt zurückgewonnen werden.



