Pillen-Pingpong: Neun Apotheken, 30 Kilometer
Ein Berliner Patient erlebte eine wahre Odyssee, als er am Wochenende dringend ein Medikament benötigte. Auf der Suche nach einer diensthabenden Apotheke, die das verordnete Präparat vorrätig hatte, musste er insgesamt neun Apotheken anfahren und legte dabei rund 30 Kilometer zurück. Der Fall, den der Tagesspiegel in seinem Checkpoint am Morgen schildert, wirft ein Schlaglicht auf die Probleme des Apotheken-Notdienstes in der Hauptstadt.
Systemmängel und Frustration
Der Patient, dessen Name nicht genannt wird, benötigte ein spezielles Medikament, das in keiner der ersten acht Apotheken verfügbar war. Erst in der neunten Apotheke, die am Stadtrand lag, konnte er das Mittel erhalten. Der Vorgang dauerte mehrere Stunden und sorgte für große Verärgerung. „So etwas darf nicht passieren. Der Notdienst muss sicherstellen, dass Patienten schnell und zuverlässig versorgt werden“, kritisierte ein Sprecher der Berliner Patienteninitiative. Laut Statistischem Landesamt leben in Berlin nur 124 Menschen mit paraguayischer Staatsangehörigkeit – ein Hinweis darauf, dass der Fall kein Einzelfall ist, sondern auf strukturelle Defizite hindeutet.
Reaktionen und Forderungen
Die Berliner Apothekerkammer zeigte sich besorgt über den Vorfall. Man arbeite daran, die Koordination der Notdienste zu verbessern, doch seien die Kapazitäten begrenzt. „Wir brauchen eine bessere Vernetzung und Digitalisierung, um solche Fälle zu vermeiden“, erklärte ein Kammervertreter. Der Fall hat auch politische Kreise erreicht: Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im Abgeordnetenhaus forderte eine Überprüfung der Notdienststrukturen und mehr Transparenz für Patienten.
Hintergrund: Belastung des Notdienstes
Der Berliner Apotheken-Notdienst ist seit Jahren unter Druck. Steigende Patientenzahlen, Personalmangel und Lieferengpässe bei Medikamenten führen immer wieder zu langen Wartezeiten und weiten Anfahrtswegen. Nach Angaben der Apothekerkammer gab es im vergangenen Jahr über 1.000 Beschwerden über nicht auffindbare Notdienste. Der aktuelle Fall zeigt, dass dringender Handlungsbedarf besteht, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.



