Wer kurzfristig verreisen möchte, kann durchaus noch günstige Angebote finden – allerdings nur unter bestimmten Bedingungen. Jonas Schulze Dieckhoff, Gründer des Reiseblogs „Urlaubstracker“, erklärt, warum sich Last Minute oft nicht lohnt, welche Fehler teuer werden und wer besser früh bucht.
Warum Last Minute oft nicht billiger ist
Viele Hotels und attraktive Flugverbindungen sind inzwischen lange vor Reisebeginn gut gebucht. „Dann gibt es kurz vor Abreise noch weniger Gründe für echte Rabatte, und wenn, muss man bereit sein, bei den Präferenzen flexibel zu sein“, sagt Schulze Dieckhoff. Hinzu kommt: „Airlines und Veranstalter planen inzwischen viel enger, da durch clevere Algorithmen eine genauere Vorhersage der Nachfrage möglich ist. Dadurch gibt es weniger echte Restposten, die verramscht werden müssen.“
Diese Fehler kosten Urlauber viel Geld
Der größte Fehler beginnt bei der Strategie. „Es kann teuer werden, falsch oder vor allem zu lange zu pokern: Viele warten und erwischen dann die Phase, in der es eher wieder teurer wird.“ Außerdem können die Flugzeiten entscheidend sein. „Bei Last-Minute-Angeboten muss man die sehr genau checken! Ein Nachtflug auf der Hinreise und ein Morgenflug zurück, plötzlich fehlen zwei Urlaubstage.“ Ebenso wichtig ist Flexibilität beim Ziel. „Nächste Woche liegt der beste Deal vielleicht gar nicht auf Mallorca, sondern auf Kreta – dann fliegen Sie lieber nach Kreta!“, rät Schulze Dieckhoff.
Für wen sich Last Minute noch lohnt
Ganz abgeschrieben ist das kurzfristige Buchen aber nicht. „Last-Minute lohnt sich, wenn Urlauber maximal flexibel sind. Also beim Reiseziel, beim Reisezeitraum und beim Abflughafen“, sagt der Experte. Besonders Reisende aus der Rhein-Ruhr-Region hätten dabei Vorteile. Dort liegen mit Düsseldorf, Köln/Bonn und teilweise auch Maastricht/Aachen mehrere Flughäfen in Reichweite. Der Reisezeitraum spielt eine wichtige Rolle. „Chancen auf Schnäppchen gibt es oft in der Nebensaison und außerhalb der Schulferien. Zum Beispiel ab Mitte September bis November.“ Dann sei die Nachfrage deutlich geringer und die Chancen auf günstige Angebote stiegen.
Wer besser früh buchen sollte
„Wer den Urlaub in den Ferien planen muss, sollte eher früh buchen. In der Hauptsaison ist die Nachfrage besonders hoch, die Hotels sind stark ausgelastet, und gute kurzfristige Schnäppchen gibt es kaum“, so Schulze Dieckhoff. Besonders Familienhotels mit All-inclusive-Angeboten und guter Lage seien oft lange im Voraus ausgebucht. Wer wartet, zahlt eher mehr oder muss viele Kompromisse eingehen, zum Beispiel mit ungünstigen Abflugzeiten. Auch bei Fernreisen oder feststehenden Reisedaten rät der Experte von Last-Minute-Hoffnungen ab. „Das Risiko ist hoch, dass es am Ende teuer wird.“
Wann der „Sweetspot“ für günstige Reisen ist
Einen festen Zeitpunkt für das perfekte Schnäppchen gibt es zwar nicht. Dennoch erkennt Schulze Dieckhoff bestimmte Muster. „Bei Kreuzfahrten kann es kurz vor Abfahrt noch Bewegung geben, wenn Kabinen frei werden oder Kontingente zurückkommen.“ Bei Flugreisen sieht es anders aus. „Bei Flügen kann es tendenziell oft günstiger sein, ein bis vier Monate vorher zu buchen. Am besten die Preise ein paar Tage beobachten und zuschlagen, wenn es passt.“ Und noch ein Tipp: „Ob ein Last-Minute-Deal wirklich günstig ist, entscheidet nicht nur der erste dargestellte Preis, sondern der Endpreis mit Gepäck, Transfer und Hotel-Extras.“



