Ein dunkler Schatten huscht durch das Geäst, zwei runde Augen leuchten aus dem Blätterdach. Der Binturong, auch Marderbär oder Bärenkatze genannt, wirkt wie eine Kreuzung aus Katze und Bär, ist aber keines von beidem. In den Tropenwäldern Asiens ist er nachtaktiv, wie PETBOOK berichtet, das ebenfalls zu Axel Springer gehört. In sozialen Medien wird er oft als niedliches Haustier präsentiert – doch die Realität sieht anders aus.
Der Binturong: Ein nachtaktiver Baumbewohner
Schon seit Jahrhunderten lebt der Binturong hoch oben in den Bäumen Süd- und Südostasiens. Menschen meidet er. Umso erstaunlicher, dass er in Clips aus Wohnzimmern und Gärten um die Welt geht. Mit seinem langgestreckten Körper und dem dunklen, zottigen Fell schleicht er fast lautlos durchs Blätterdach. Auf dem Boden wirkt er unbeholfen, doch seine wahre Stärke liegt im Klettern. Dafür nutzt er seinen kräftigen, greiffähigen Schwanz, der ihn sicher durch die Baumkronen trägt.
Biologisch gehört der Binturong zu den Schleichkatzen, verwandt mit Zibet- und Ginsterkatzen. Fleisch frisst er nur selten; sein Lieblingsfutter sind Feigen im nächtlichen Regenwald.
Einzigartiger Duft und Fortpflanzung
So wild er aussieht, so überraschend ist sein Geruch: Binturongs verströmen einen Duft, der an frisches Popcorn erinnert. Verantwortlich sind Drüsen unter dem Schwanz, mit denen sie ihr Revier markieren. Auch in der Fortpflanzung ist der Marderbär einzigartig: Das Weibchen kann die Einnistung einer befruchteten Eizelle verzögern, bis Nahrung und Klima günstig sind – ein Überlebensvorteil im bedrohten Lebensraum Regenwald.
Warum Binturongs keine Haustiere sind
Sanft, ruhig, zutraulich – so zeigen Videos den Binturong. Doch all das macht ihn nicht haustiertauglich. Christoph May, Referent Presse und Medien der Welttierschutzgesellschaft, sagt klar: „Wildtiere gehören nicht in private Haushalte, da ihre natürlichen Bedürfnisse, beispielsweise an Nahrung oder Kontakt zu Artgenossen, dort nicht tiergerecht erfüllt werden können. Am Beispiel der Binturongs zeigen sich die Probleme sehr deutlich.“ Die Tiere sind nachtaktiv und leben fast ausschließlich in Bäumen – zwei Gründe, warum eine Haltung zu Hause scheitert.
Der Binturong steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Abholzung, Wilderei und illegaler Handel setzen ihm zu. In Auffangstationen und Zuchtprogrammen kämpfen Experten um sein Überleben – und selbst dort ist die Betreuung schwierig. „Aus unserem Tierschutzprojekt in Vietnam, wo aus dem Wildtierhandel gerettete Binturongs leben, wissen wir, wie anspruchsvoll deren Haltung selbst in einem professionellen Schutzzentrum ist. Binturongs in privater Haltung sind somit ein eindeutiger Fall von Tierleid“, erklärt May. Er mahnt, keine Social-Media-Videos zu unterstützen, die diese Haltungen normalisieren. Wer Binturongs wirklich schützen will, klickt nicht auf Clips, sondern lässt sie dort, wo sie hingehören.



