Bargeld verliert an Beliebtheit: Nur noch 45 Prozent der Einkäufe bar
Bargeld verliert an Beliebtheit: Nur 45 Prozent der Einkäufe bar

Die Deutschen zahlen immer seltener mit Münzen und Scheinen. Erstmals haben sie im vergangenen Jahr weniger als die Hälfte ihrer täglichen Einkäufe mit Bargeld getätigt. Das geht aus einer Umfrage der Bundesbank hervor.

Bargeldanteil sinkt auf 45 Prozent

Nur noch 45 Prozent aller täglichen Einkäufe begleichen die Bundesbürger bar, wie Burkhard Balz, Vorstandsmitglied der Bundesbank und unter anderem für Bargeld zuständig, mitteilte. Vor zwei Jahren lag der Anteil noch bei 51 Prozent. Damit ist der Trend zu unbarer Bezahlung ungebrochen.

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland dennoch weit vorn, was die Nutzung von Bargeld betrifft. Balz sprach von einem Spitzenwert. Dennoch hinkt die Bundesrepublik beim digitalen Bezahlen hinterher. In Skandinavien, Frankreich, Italien oder Großbritannien sind ganze Urlaube ohne Bargeld möglich – in Deutschland nicht.

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Mobiles Bezahlen auf dem Vormarsch

Zunehmend greifen die Deutschen beim Bezahlen zum Smartphone oder zur smarten Uhr. Zehn Prozent aller Zahlungen laufen inzwischen über mobile Dienste wie Apple Pay, vor zwei Jahren waren es nur sechs Prozent. Das ist ein deutlicher Anstieg.

Besonders beliebt ist Apple Pay, das die Zahlung per Mobiltelefon oder Uhr ermöglicht. Auch im Internet dominieren US-Anbieter: Drei von vier Deutschen haben einen Paypal-Zugang. Dieses Phänomen ist in anderen europäischen Ländern weniger ausgeprägt.

Interessant ist der Widerspruch: Obwohl die Deutschen Technologiekonzernen nur geringes Vertrauen entgegenbringen – lediglich 35 Prozent bescheinigen ihnen einen verantwortungsvollen Umgang mit Zahlungsdaten – nutzen sie deren Dienste fleißig. Das Angebot scheint also so praktisch, dass es die Bedenken überwiegt.

Weniger Geldautomaten, mehr Schwierigkeiten

Die Versorgung mit Bargeld wird schwieriger. Die Zahl der Geldautomaten ist von rund 57.000 im Jahr 2020 auf unter 50.000 Ende 2024 gesunken. Auch die Zahl der Bankfilialen nahm von etwa 26.000 auf knapp über 19.000 ab. Dafür bieten Supermärkte vermehrt Bargeldauszahlungen an der Kasse an.

Nur noch 39 Prozent der Bundesbürger geben an, sehr einfach an Bargeld zu kommen – vor zwei Jahren waren es noch 47 Prozent. Balz betont, die Versorgung sei mindestens zufriedenstellend, weist aber auf große Unterschiede zwischen Stadt und Land hin. Besonders in abgelegenen Gegenden Ostdeutschlands sei es schwieriger geworden, Bargeld zu erhalten. Von der Situation in Österreich, wo die Zentralbank in manchen Tälern eigene Geldautomaten betreibt, sei Deutschland aber noch weit entfernt.

Digitaler Euro als Lösung?

Unabhängig von der Bezahlmethode ist aus Sicht von Balz entscheidend, dass die Bürger nach ihren Wünschen bezahlen können. Doch daran hapert es: 23 Prozent sind unzufrieden mit der Akzeptanz unbaren Zahlungsmitteln. Immerhin neun Prozent beklagen Probleme beim Bargeld.

Der digitale Euro könnte hier Abhilfe schaffen. Die Europäische Zentralbank bereitet ihn vor. Er soll überall in der Eurozone akzeptiert werden, zum Einkaufen und auch für kleine Überweisungen wie 20 Euro für die Enkelin. Im Gegensatz zu Kreditkarten oder Paypal setzt er auf rein europäische Technologie. 63 Prozent der Befragten wünschen sich eine solche Eigenständigkeit.

Bundesbank-Vorstand Balz erwartet, dass die europäischen Gesetzgeber das Verfahren bis Ende des Jahres abschließen. Ein Pilotversuch soll in der zweiten Hälfte 2027 starten. Flächendeckend könnte der digitale Euro dann 2028 in den digitalen Brieftaschen der Europäer landen.

Umfragedetails

Für die Umfrage befragte Forsa von September bis Dezember mehr als 6.000 Bundesbürger zu ihrem Zahlungsverhalten. Die Teilnehmer dokumentierten zudem drei Tage lang ihre Zahlungen. Insgesamt erfassten die Marktforscher 18.497 Zahlungen mit einem Gesamtwert von über 822.500 Euro. Regelmäßige Zahlungen wie Miete oder Versicherungen blieben unberücksichtigt.

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