Forscher untersuchen legendäres Wrack im Gardasee – Bergung unwahrscheinlich
Forscher untersuchen legendäres Wrack im Gardasee

Seit über 500 Jahren ruht eine venezianische Galeere auf dem Grund des Gardasees, vor der Küste von Lazise. Das Wrack in 27 Metern Tiefe, etwa 500 Meter vom Hafen entfernt, gilt als eine der bedeutendsten Unterwasserentdeckungen Norditaliens. Nun beginnt eine neue Phase eines ehrgeizigen Forschungs- und Schutzprojekts, finanziert vom italienischen Kulturministerium. Taucher und Unterwasserarchäologen wollen große Teile des Wracks reinigen, dokumentieren und konservieren. Doch eine Bergung des legendären Schiffes ist derzeit nicht geplant.

Historischer Hintergrund: Der Untergang der Galeere

Am 31. Mai 1509 ging die venezianische Galeere vor Lazise in Flammen auf – ein sichtbares Zeichen einer historischen Niederlage. Die Republik Venedig, damals eine der mächtigsten Seemächte Europas, stand unter massivem Druck der Liga von Cambrai, eines Bündnisses mehrerer europäischer Mächte, darunter Spanien und Frankreich. Um zu verhindern, dass ihre Schiffe in feindliche Hände fielen, ließ der venezianische Kommandant Zaccaria Loredan die kleine Flotte auf dem Gardasee selbst zerstören. Die Galeere verschwand im See und geriet für Jahrhunderte in Vergessenheit.

Wiederentdeckung und wissenschaftliche Bedeutung

Erst Ende der 1950er-Jahre stieß ein Taucher bei der Suche nach einer vermissten Person zufällig auf die Überreste. Wissenschaftlich dokumentiert wurde das Wrack schließlich 1962. Seither haben mehrere Untersuchungen wichtige Erkenntnisse über Bauweise und Erhaltungszustand geliefert. Erstaunlicherweise sind große Teile der Holzkonstruktion noch vorhanden. Kaltes Wasser, Dunkelheit und Sauerstoffmangel haben den Zerfall über Jahrhunderte verlangsamt.

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Neue Gefahr durch invasive Zebramuschel

Eine neue Gefahr droht jedoch durch die invasive Zebramuschel, die sich in den vergangenen Jahren massenhaft auf dem Wrack angesiedelt hat. Im Laufe des Juni sollen etwa 80 Prozent des Wracks gereinigt und die Muscheln entfernt werden. „Wir versuchen zu verstehen, welche tatsächlichen Auswirkungen der laufende Klimawandel auf den Gardasee hat. Diese Veränderungen haben bereits zu einer starken Vermehrung von Muscheln geführt“, erklärt Alessandro Asta, Unterwasserarchäologe und Mitarbeiter der staatlichen Denkmalbehörde für die Provinzen Padua, Verona und Vicenza.

Bergung? Experte skeptisch

Immer wieder wird darüber spekuliert, ob die Galeere eines Tages geborgen werden könnte. Asta zeigt sich zurückhaltend. „Derzeit glaube ich nicht, dass die Bedingungen für eine Bergung gegeben sind“, meint er. Die technischen Probleme seien dabei nicht einmal die größte Herausforderung. „Viel schwieriger ist es, ein hochwertiges kulturelles Projekt zu entwickeln, das Restaurierung, wissenschaftliche Forschung, museale Präsentation und Nachhaltigkeit miteinander verbindet“, so der Experte. Sollte eine Bergung irgendwann möglich werden, hätte Asta bereits eine klare Vorstellung vom künftigen Standort des Schiffs: „Ihren Platz finden könnte die Galeere nur in einem Museum, das sich dem jahrtausendealten Verhältnis zwischen den menschlichen Gemeinschaften und den Gewässern des größten italienischen Sees widmet.“ Bis dahin bleibt die Galeere dort, wo sie seit mehr als 500 Jahren ruht – auf dem Grund des Gardasees.

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