VW verkauft Everllence an Bain Capital für Milliarden
VW verkauft Everllence an Bain Capital

Im Bieterwettstreit um den milliardenschwer bewerteten Schiffs- und Kraftwerksmotorenbauer Everllence zeichnet sich ein Sieger ab. Zwei mit den Vorgängen vertraute Personen sagten dem Handelsblatt, nach mehrstündigen Sitzungen von Vorstand und Aufsichtsrat habe sich der US-Finanzinvestor Bain Capital durchgesetzt. Der Kaufpreis war in der Nacht zu Donnerstag noch unklar.

Bieterverfahren mit drei Kandidaten

Neben Bain Capital waren noch die Investmentgesellschaften CVC und das Konsortium um EQT, Porsche SE sowie die Staatsfonds aus Katar und Singapur Teil des Bieterverfahrens. Everllence, ehemals MAN Energy Solutions, ist eine hundertprozentige VW-Tochter. Der Wolfsburger Autokonzern plant, 51 Prozent des Unternehmens zu verkaufen und mit 49 Prozent beteiligt zu bleiben.

Everllence produziert Schiffs- und Kraftwerksmotoren sowie Großwärmepumpen und profitiert von der hohen Nachfrage nach Energieinfrastruktur. Zuletzt war die Bewertung der Augsburger Firma im Bieterprozess kontinuierlich gestiegen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Auktionsverfahren mit versiegelten Geboten

Bei der Sitzung durften allerdings zahlreiche Vertreter der Kapitalseite nicht teilnehmen. Hintergrund sind mögliche Interessenkonflikte: Sowohl Vertreter der Familien Porsche und Piëch als auch Vertreter Katars sitzen im VW-Aufsichtsrat und sind zugleich mittelbar mit einem der Bieterkonsortien verbunden. Bereits in den vergangenen Wochen hatte Volkswagen deshalb ein aufwendiges Auktionsverfahren mit versiegelten Geboten organisiert, um Vorwürfen einer Bevorzugung einzelner Bieter vorzubeugen.

Bis zu einem finalen Closing dürften dennoch mehrere Monate vergehen, sagt eine Person, die das Prozedere bei VW und Everllence kennt. Neben den üblichen kartellrechtlichen Prüfungen könnten weitere Genehmigungen erforderlich werden, denn Everllence ist auch in sensiblen Bereichen der Energie- und Sicherheitstechnik tätig.

Liquiditätszufluss für VW

Für Volkswagen bedeutet der Deal einen wichtigen Liquiditätszufluss. Trotzdem gab es um den Verkaufsprozess zuletzt einiges an Gerangel. Kritiker störten sich unter anderem daran, dass der Kaufvertrag zunächst unterzeichnet wurde und sich der Aufsichtsrat erst danach formell mit der Sache befasst hat. Zudem sorgte die Beteiligung von Porsche SE und katarischen Investoren an einem der Bieterkonsortien für Debatten über mögliche Interessenkonflikte. Auch der überraschende Rückzug der Aufsichtsrätin Susanne Wiegand wurde in Konzernkreisen mit den Diskussionen rund um den Verkaufsprozess in Verbindung gebracht.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration