Unternehmerin in der Uckermark: Nach 35 Jahren Selbstständigkeit rät sie ihrer Tochter von der Übernahme ab
Uckermark: Mutter rät Tochter von Firmenübernahme ab

Trauriges Resümee nach 35 Jahren Selbstständigkeit in der Uckermark

Elke Knorr ist mit ihren 72 Jahren noch immer täglich im Büro ihrer Firma für Büro- und Kopiersysteme anzutreffen. Obwohl sie längst das Rentenalter erreicht hat, kann die Unternehmerin aus der Uckermark nicht aufhören zu arbeiten. Ihre Bilanz nach mehr als drei Jahrzehnten Selbstständigkeit fällt jedoch bitter aus: „Ich würde mich nie wieder selbstständig machen und das auch niemandem raten“, erklärt sie entschieden.

Der schwierige Start nach der Wende

1991, kurz nach der deutschen Wiedervereinigung, wagte die dreifache Mutter den Schritt in die Selbstständigkeit. „Es herrschte so eine tolle Aufbruchstimmung damals. Wir dachten für einen Moment, dass wir alles schaffen können“, erinnert sich Knorr. Doch die Realität holte sie schnell ein: Ohne Kenntnisse der sozialen Marktwirtschaft und mit tausend anstehenden Zahlungen kämpfte sie sich durch die Anfangsjahre.

Ihre Mutter, die sie stets unterstützt hatte, konnte mit der neuen Situation kaum umgehen. „Sie hat mich anfangs oft gefragt: ‚Wieso bekommst du denn keinen Lohn, es ist doch schon Monatsende?‘“, erzählt die Unternehmerin. Die damalige Partnerin und sie hätten sich stets an der Mindestlohngrenze entlanggehangelt, um durchzuhalten.

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Die aktuelle Situation: Zwang zur Weiterarbeit

Heute beschäftigt Elke Knorr noch acht Angestellte, die sie nicht arbeitslos machen möchte. Gleichzeitig belastet eine bescheidene Pensionszusage, die sie sich früher angespart hatte, die Firma und macht sie quasi unverkäuflich. Die Ironie der Situation: Knorr arbeitet jetzt für ihre eigene Rente ein zweites Mal.

„Welcher Beamte würde mit 70 für seine Pension noch einmal arbeiten gehen?“, fragt sie rhetorisch. Während Arbeitnehmer bis zu 2000 Euro steuerfrei dazuverdienen könnten, müsse sie für ihre Altersvorsorge doppelt arbeiten. Diese Ungerechtigkeit empfindet sie als besonders bitter.

Warnung an die eigene Tochter

Eine ihrer Töchter ist aktuell noch im Betrieb tätig, doch von einer Übernahme rät die Mutter dringend ab. „Das würde ich ihr nie erlauben, auch im Interesse ihrer eigenen Kinder nicht“, betont Knorr. Das Unternehmertum habe in Deutschland keine ausreichende Lobby, ist sie überzeugt.

Als Beispiel nennt sie ihre Krankenversicherung: Als freiwillig gesetzlich Versicherte zahlt sie fast 800 Euro monatlich an die AOK. Sogar auf die bescheidenen Mieteinnahmen aus ihrem alten Haus von 1927, das sie von ihrem Vater geerbt hat und teilweise selbst bewohnt, müssen Krankenkassenbeiträge entrichtet werden.

Die Situation in den neuen Bundesländern

Rückblickend ist Elke Knorr überzeugt, dass sie diesen Schritt nie wieder gehen würde. „Die im Westen halten Krisen schon mal eher durch, weil da mehr finanzieller Rückhalt ist. Wir hier in den neuen Bundesländern sind hingegen damals ja quasi bei Null gestartet“, analysiert sie die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen.

Ihre Pensionszusage und Mieteinnahmen dienen heute vor allem dazu, Abgaben für Krankenkasse und Finanzamt zu generieren, wie sie ernüchtert feststellt. Aus ihrem Umfeld weiß sie, dass viele Unternehmer ähnlich denken – besonders in Ostdeutschland, wo der Start nach der Wende besonders schwer war.

Die 72-Jährige hat sich an Sparsamkeit gewöhnt, doch ihre Botschaft ist klar: Sie würde ihrer Familie diese Belastung nie wieder zumuten wollen. Nach 35 Jahren Selbstständigkeit bleibt ein Gefühl der Enttäuschung über die Rahmenbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland.

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