Der Neobroker Trade Republic hat neue Handelsfunktionen vorgestellt, die weitreichende Folgen für seinen bisherigen Premiumpartner Lang & Schwarz haben. Der Düsseldorfer Finanzdienstleister, der mit der LS Exchange einen zentralen Handelsplatz für Trade Republic betreibt, senkte nach der Ankündigung seine Prognose für das laufende Jahr. Die Aktie von Lang & Schwarz verlor daraufhin zeitweise rund 19 Prozent an Wert, wie aus einer Ad-hoc-Mitteilung hervorgeht.
Neues Handelsmodell von Trade Republic verändert Wettbewerb
Hintergrund ist die Umstellung des Handelsmodells bei Trade Republic. Künftig werden Orders standardmäßig automatisch zum jeweils besten verfügbaren Preis ausgeführt. Zusätzlich können Nutzer über die neue Direktpreis-Order gezielt aus 30 verschiedenen Handelsplätzen wählen. Bislang wurden Trade Republic-Orders nach Berichten der „WirtschaftsWoche“ überwiegend über die LS Exchange abgewickelt. Künftig ist diese nur noch einer von mehreren Handelsplätzen.
Für Handelsplätze wie Lang & Schwarz ist der Orderflow entscheidend für die Umsätze. Weil Trade Republic Orders künftig automatisch auf verschiedene Handelsplätze verteilt, muss Lang & Schwarz stärker mit anderen Börsen um Kauf- und Verkaufsaufträge konkurrieren. Anlegern soll das bessere Ausführungspreise ermöglichen. Für Lang & Schwarz bedeutet es dagegen mehr Wettbewerb und geringere Planungssicherheit.
Lang & Schwarz senkt Prognose für 2026
Lang & Schwarz bestätigte die Auswirkungen in einer Ad-hoc-Mitteilung. Die Entscheidung von Trade Republic werde sich auf das Geschäft der „Lang & Schwarz TradeCenter AG & Co. KG“ auswirken und könne das Ergebnis aus der Handelstätigkeit sowie mittelbar das Konzernergebnis belasten. Für 2026 rechnet das Unternehmen nun mit einem „leichten bis allenfalls moderaten Rückgang“ des Ergebnisses aus der Handelstätigkeit gegenüber dem Vorjahr. Im zweiten Quartal 2026 lag dieses nach Unternehmensangaben bei rund 32 Millionen Euro, nach 25 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Dennoch erwartet Lang & Schwarz für 2026 weiterhin ein Ergebnis über dem Niveau von 2024.
Reaktionen und Ausblick
Lang & Schwarz kündigte zugleich an, ein zusätzliches Handelsmodell mit mehreren Wertpapier-Dienstleistungsunternehmen voranzutreiben. Damit will der Börsenbetreiber sein Angebot erweitern und zusätzliche Liquidität erschließen. Für Anleger bei Trade Republic ändert sich zunächst vor allem der Handel. Die bisherige 1-Euro-Order bleibt zwar bestehen, hinzu kommt aber auch eine neue Direktpreis-Order für zwei Euro. Für Lang & Schwarz ist die Umstellung dagegen deutlich weitreichender: Der Handelsplatz muss künftig stärker um den Orderfluss von Trade Republic konkurrieren.
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