Sonova will Sennheiser-Kopfhörergeschäft nach nur vier Jahren wieder abstoßen
Im schweizerischen Stäfa hat die Sonova-Gruppe eine überraschende strategische Kehrtwende angekündigt. Das Unternehmen plant, die erst 2022 für 200 Millionen Euro erworbene Kopfhörer-Sparte der traditionsreichen Marke Sennheiser wieder zu veräußern. Diese Entscheidung markiert eine deutliche Kurskorrektur, nachdem Sonova ursprünglich mit der Übernahme das Portfolio erweitern wollte.
Strategische Neuausrichtung führt zum Verkaufsplan
Laut Unternehmensmitteilung zielt Sonova darauf ab, sich wieder stärker auf das Kerngeschäft mit Hörgeräten zu konzentrieren. „Ziel ist es, den bestmöglichen Eigentümer für dieses Geschäft zu finden“, erklärte das Unternehmen. Konkrete Angaben zum Zeitplan oder potenziellen Interessenten machte Sonova dabei nicht. Die Schweizer Gruppe hatte die Übernahme vor vier Jahren als strategischen Schritt zur Diversifizierung präsentiert.
600 Mitarbeiter betroffen – Betrieb soll weiterlaufen
Die zum Verkauf stehende Sparte beschäftigt insgesamt etwa 600 Mitarbeiter, davon 190 am traditionellen Sitz in der Wedemark bei Hannover. Laut Berichten der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ und „Bild“ soll sich für die Belegschaft zunächst nichts ändern. Eine Sonova-Sprecherin betonte: „Idealerweise gelingt es, einen Partner zu finden, der das Potenzial der traditionsreichen Marke voll ausschöpfen kann.“ Das Tagesgeschäft mit bestehenden Produktlinien, Servicelevels und Lieferzusagen soll unverändert fortgeführt werden.
Sennheiser-Gruppe wurde informiert – Rückkauf ausgeschlossen
Die ursprüngliche Muttergesellschaft, die Sennheiser-Gruppe, wurde über die Pläne informiert, ist aber selbst nicht vom Verkauf betroffen. Eine Sprecherin bestätigte: „Sonova hat uns über die strategische Entscheidung informiert.“ Gleichzeitig schloss sie einen Rückkauf der Kopfhörer-Sparte kategorisch aus. Die 2021 getroffene Entscheidung, sich auf das professionelle Audiogeschäft mit Mikrofonen und Konferenztechnik zu fokussieren, bleibe richtig. Die Sennheiser-Gruppe will die weiteren Entwicklungen jedoch aufmerksam verfolgen und im Austausch mit Sonova bleiben.
Historischer Kontext der Transaktion
Der ursprüngliche Verkauf im Jahr 2022 umfasste neben dem Kopfhörergeschäft auch die Lizenz zur Nutzung des wertvollen Markennamens Sennheiser. Die verbleibenden Geschäftsfelder der Sennheiser-Gruppe verblieben damals beim Familienunternehmen. Die nun geplante erneute Veräußerung nach nur vier Jahren wirft Fragen zur langfristigen Strategie von Sonova auf und zeigt, wie schnell sich Marktbedingungen und Unternehmensprioritäten ändern können.



