Promovierter Berater findet seit Monaten keinen Job
Promovierter Berater: Monatelange Jobsuche trotz Qualifikation

Arbeitsloser Unternehmensberater: „Behaltet euren Job, egal, wie scheiße der ist“

Trotz Promotion und Netzwerk: Ein Unternehmensberater aus München bewirbt sich seit Mitte 2024 auf Hunderte Stellen und bekommt kaum Rückmeldungen. Hier erzählt der 38-Jährige, warum er genervt auf Ratschläge reagiert. Aufgezeichnet von Verena Töpper.

Ein promovierter Unternehmensberater aus München teilt seine frustrierende Erfahrung auf dem Arbeitsmarkt. Seit Mitte 2024 ist er auf der Suche nach einer neuen Stelle und hat bereits hunderte Bewerbungen verschickt. Die Resonanz ist jedoch ernüchternd: Kaum eine Rückmeldung, geschweige denn Einladungen zu Vorstellungsgesprächen. Der 38-Jährige, der anonym bleiben möchte, berichtet von seinem Leidensweg und seinen Gedanken dazu.

„Ich habe alles versucht: Initiativbewerbungen, Online-Portale, persönliche Kontakte. Nichts scheint zu funktionieren“, sagt er. Dabei habe er sich nie etwas zuschulden kommen lassen – im Gegenteil: Mit einer Promotion in Betriebswirtschaft und jahrelanger Erfahrung als Berater für namhafte Unternehmen glaubte er, gute Karten zu haben. Doch die Realität sieht anders aus.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Besonders ärgert ihn die gut gemeinten Ratschläge von Freunden und Bekannten. „Viele sagen mir, ich solle doch einfach meinen Job behalten oder mich anders präsentieren. Das macht mich wütend“, erklärt der Münchner. „Sie verstehen nicht, wie schwierig der Markt gerade ist. Ich arbeite hart, aber die Wirtschaftslage und die Konkurrenz sind enorm.“

Der Berater betont, dass er nicht wählerisch sei. Er habe sich auf Positionen in verschiedenen Branchen und Gehaltsklassen beworben, doch die Absagen oder das Schweigen der Unternehmen seien deprimierend. „Ich bin bereit, Abstriche zu machen, aber ohne Resonanz kann ich nichts bewegen.“

Seine Geschichte wirft ein Schlaglicht auf die Situation vieler Hochqualifizierter in Deutschland. Trotz guter Ausbildung und Erfahrung kämpfen sie mit einem angespannten Arbeitsmarkt, der oft von Automatisierung und Kostendruck geprägt ist. Der 38-Jährige appelliert an Arbeitgeber, mehr Transparenz und Feedback zu geben. „Eine einfache Absage ist besser als gar keine Antwort. So fühle ich mich unsichtbar.“

Trotz der Rückschläge gibt er nicht auf. „Ich werde weitermachen, aber ich wünsche mir mehr Verständnis von außen. Behaltet euren Job, egal, wie scheiße der ist, denn ihr wisst nicht, wie es ist, ohne da zu stehen.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration