165.000 Jobs bedroht: Pleitewelle erreicht Höchststand seit 2013
Pleitewelle: 165.000 Jobs in Gefahr

Pleitewelle in Deutschland erreicht neuen Höchststand

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland steigt weiter rasant an. Nach aktuellen Hochrechnungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform werden bis Ende Juni 2026 voraussichtlich 12.900 Unternehmen Insolvenz anmelden. Das entspricht einem Anstieg von fast acht Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und markiert den höchsten Stand seit dem ersten Halbjahr 2013, als 13.310 Fälle registriert wurden.

165.000 Arbeitsplätze akut gefährdet

Besonders besorgniserregend sind die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt: Nach Schätzungen von Creditreform stehen rund 165.000 Arbeitsplätze auf der Kippe. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 143.000 betroffene Stellen. Creditreform-Wirtschaftsforscher Patrik Ludwig Hantzsch warnt: „Der Pleite-Höhepunkt ist noch nicht erreicht.“ Eine Stabilisierung der Lage sei erst zu erwarten, wenn die deutsche Wirtschaft wieder wachse. „Nach jetzigem Stand also frühestens 2027“, so Hantzsch.

Ursachen: Energiepreise, Krieg und Bürokratie

Die Gründe für die anhaltende Pleitewelle sind vielfältig. Steigende Energiepreise, eine verhaltene Konsumlaune der Kunden, hohe Betriebskosten und zunehmende bürokratische Belastungen setzen Unternehmen massiv unter Druck. Der Iran-Krieg habe die Lage zusätzlich verschärft, indem er die Energiepreise weiter in die Höhe treibe, was sowohl Unternehmen als auch Verbraucher belaste. Besonders stark betroffen ist der Dienstleistungssektor: Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete dieser Bereich fast 7.900 Insolvenzen, darunter zahlreiche Gastronomiebetriebe.

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Auch Großunternehmen geraten ins Straucheln

Ein auffälliger Trend ist die zunehmende Zahl von Insolvenzen bei größeren Unternehmen. Bei Firmen mit mehr als 250 Beschäftigten stieg die Pleitequote um 28,6 Prozent. Betroffen sind unter anderem die Hotelbetreibergesellschaft Revo Hospitality Gruppe, die Baumarktkette Hellweg und der Spielwarenhändler Rofu Kinderland. Auch junge Unternehmen sind überproportional betroffen: 1.140 Firmen, die maximal zwei Jahre am Markt waren, mussten Insolvenz anmelden – ein Anstieg von 25,3 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025. Hantzsch kommentiert: „Das schwierige Umfeld verzeiht keine Fehlkalkulationen.“

Verbraucherinsolvenzen ebenfalls gestiegen

Nicht nur Unternehmen, sondern auch viele Privatpersonen geraten in finanzielle Schieflage. Creditreform zählte im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 38.800 Verbraucherinsolvenzen, ein Plus von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die amtlichen Statistiken bestätigen den Trend: Im ersten Quartal 2026 meldeten die Amtsgerichte 6.275 beantragte Unternehmensinsolvenzen, was einem Anstieg von 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

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