Chinesischer Investor übernimmt Traditionsunternehmen Mayer & Cie.
In Albstadt (Baden-Württemberg) bahnt sich ein dramatischer Wandel an. Der einstige Weltmarktführer für Rundstrick- und Flechtmaschinen, Mayer & Cie., wurde nach seiner Insolvenz von einem chinesischen Investor übernommen. Die Neuausrichtung des Betriebs bringt jedoch tiefgreifende Veränderungen mit sich: Statt der bisherigen 270 Beschäftigten sollen nur noch 30 Mitarbeiter die Produktion am Standort Albstadt aufrechterhalten.
120 Jahre Tradition enden in Insolvenz
Das Unternehmen blickte auf eine stolze 120-jährige Geschichte zurück, in der vier Generationen am Standort in Albstadt Maschinen für die Textilindustrie produzierten. Die hochwertigen Rundstrick- und Flechtmaschinen fanden weltweit Abnehmer, wobei fast die gesamte Produktion exportiert wurde. Doch dann brach das Geschäft dramatisch ein: Der Umsatz sank um beeindruckende 50 Prozent. Diese Entwicklung zwang das Traditionsunternehmen schließlich dazu, im Herbst Insolvenz anzumelden, den Betrieb einzustellen und den Großteil der Belegschaft zu entlassen.
Chinesischer Investor als Retter in der Not
Ironischerweise kommt die Rettung nun ausgerechnet aus China, einem Land, das der deutschen Industrie traditionell starke Konkurrenz macht. Der chinesische Investor Xu Hongjie, dessen Unternehmen Huixing Machine Co., Ltd. in Shishi City bereits 1000 Mitarbeiter beschäftigt, hat den ehemaligen Weltmarktführer aufgekauft. Dietrich Birk, Geschäftsführer des Vereins Deutscher Maschinenbau-Anstalten (VDMA) in Baden-Württemberg, kommentiert diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen: „China setzt die deutsche Industrie unter enormen Druck und hat sich vom reinen Zulieferer zum globalen Wettbewerber entwickelt – unterstützt durch massive Subventionen und aggressive Preispolitik.“
Neustart unter veränderten Vorzeichen
Die ursprüngliche Firma Mayer & Cie. GmbH & Co. KG wurde formal geschlossen. Unter der neu gegründeten Mayer & Cie. Global soll der Betrieb am traditionellen Produktionsstandort in Albstadt wieder aufgenommen werden. Laut Insolvenzverwalter Grub Brugger werden dafür 30 ehemalige Mitarbeiter neu eingestellt. Der neue Eigentümer verspricht sich von dieser Übernahme strategische Vorteile: Durch die Zusammenarbeit mit seinem chinesischen Standort erhofft er sich besseren Marktzugang in Asien und Synergien bei der Software-Entwicklung für die Strickmaschinen.
Globale Wirtschaftsfaktoren als Treiber
Experten sehen in dieser Übernahme ein Symptom größerer wirtschaftlicher Verschiebungen. Die hohen US-Zölle und der anhaltende Handelskrieg zwischen den Großmächten zwingen chinesische Unternehmen vermehrt dazu, nach Europa auszuweichen. Zusätzlich bremsen geopolitische Spannungen wie der Ukraine-Konflikt globale Investitionen. Für Huixing Machine Co., Ltd. scheinen diese Herausforderungen jedoch kein Hindernis gewesen zu sein – im Gegenteil: Das Unternehmen nutzte die Gelegenheit, um mit der Übernahme von Mayer & Cie. seinen Fuß in den europäischen Markt zu setzen.
Die verbleibenden 30 Mitarbeiter in Albstadt stehen nun vor der Aufgabe, die traditionsreiche Marke unter völlig veränderten Besitzverhältnissen fortzuführen. Während für die meisten der ehemals 270 Beschäftigten die Kündigung im Februar das Ende ihrer Tätigkeit bei Mayer & Cie. bedeutete, beginnt für das Unternehmen selbst ein neues Kapitel – geprägt von internationalen Verflechtungen und reduzierter Belegschaft.



