Radwegekirche Blankensee: Café statt Gottesdienst für müde Radwanderer
In der Gemeinde Blankensee bei Neustrelitz öffnet die historische Feldsteinkirche auch in dieser Saison wieder ihre Türen für Radwanderer. Anders als in vielen anderen Gotteshäusern finden hier kaum noch traditionelle Gottesdienste statt. Stattdessen verwandelt sich das Gebäude täglich in eine willkommene Raststätte für müde Radfahrer, die auf den beliebten Routen der Mecklenburgischen Seenplatte unterwegs sind.
Ehrenamtliches Engagement für Gastfreundschaft
Stephanie Richter und Andrea Lamm gehören zu einer Gruppe Freiwilliger, die diese ungewöhnliche Initiative ins Leben gerufen haben. Beide Frauen sind keine aktiven Kirchenmitglieder, doch sie schätzen die Werte der Gastfreundschaft und Gemeinschaft. „Wir möchten mehr Begegnung in unserer Gemeinde ermöglichen“, erklärt Stephanie Richter. Nach einer Testphase im vergangenen Jahr, in der die Kirche nur an Wochenenden geöffnet war, gehört Blankensee nun offiziell zum bundesweiten Netzwerk der Radwegekirchen.
Die Feldsteinkirche mit ihrer imposanten Eiche davor ist ein architektonisches Kleinod im Ort. In der Vergangenheit blieben die Türen des Gebäudes häufig geschlossen. Durch das Engagement der Ehrenamtlichen erhält das historische Bauwerk nun eine neue, lebendige Funktion.
Umfangreiches Angebot für Radfahrer
Das Angebot der Radwegekirche Blankensee ist vielfältig und auf die Bedürfnisse von Radwanderern zugeschnitten:
- Kaffee und selbstgebackener Kuchen am Wochenende
- Frisches Wasser an allen Öffnungstagen
- Gemütliche Sitzgelegenheiten in der Winterkirche
- Liegstühle auf dem Kirchhof zum Ausruhen
- Eine Bio-Toilette für Reisende
- Pannenhilfe bei Problemen mit dem Fahrrad
„Unsere Kirche liegt an einer beliebten Radwanderroute, und es gibt in der Gegend kaum Einkehrmöglichkeiten“, betont Andrea Lamm. Das Prinzip funktioniert auf Spendenbasis: Jeder Gast kann sich selbst bedienen und nach eigenem Ermessen einen Beitrag hinterlassen.
Erweiterte Öffnungszeiten in dieser Saison
Während im vergangenen Jahr die Kirche nur an Wochenenden geöffnet war, erweitert die Gruppe ihr Angebot in dieser Saison deutlich. Vom 3. Mai bis zum 3. Oktober ist die Feldsteinkirche täglich von 10 bis 17 Uhr für Besucher geöffnet. Allerdings gibt es einen Unterschied zwischen Wochentagen und Wochenenden: „In der Woche bieten wir nur Wasser an, das Kuchenbuffet gibt es ausschließlich am Wochenende“, präzisiert Stephanie Richter.
Um die Sichtbarkeit zu erhöhen, werden in dieser Saison zusätzliche Schilder im Ort aufgestellt. Diese sollen Radfahrern den Weg zur Kirche weisen und das Angebot bekannter machen.
Sternfahrt zum Saisonauftakt
Die offizielle Eröffnung der Radwegekirche-Saison findet am Sonntag, dem 3. Mai, mit einer besonderen Veranstaltung statt. Eine Sternfahrt von Kirchtür zu Kirchtür wird organisiert, bei der vier verschiedene Radtouren über unterschiedliche Distanzen angeboten werden. Alle Touren beginnen um 11 Uhr in Blankensee und enden dort auch wieder. Im Anschluss an die Fahrten erwartet die Teilnehmer Musik und Kaffee auf dem Kirchhof.
Radwegekirchen in Mecklenburg-Vorpommern
Deutschlandweit existiert bereits ein umfangreiches Netzwerk von sogenannten Radwegekirchen, die speziell für Radwanderer geöffnet sind. In Mecklenburg-Vorpommern ist dieses Netz jedoch noch nicht so dicht geknüpft wie in anderen Bundesländern. Laut dem Verzeichnis des EKD-Netzwerks „Kirche in Freizeit und Tourismus“ gibt es im gesamten Landkreis Mecklenburgische Seenplatte nur zwei solcher Einrichtungen:
- Die Dorfkirche Blankensee bei Neustrelitz
- Die Dorfkirche Ankershagen bei Penzlin
Für ganz Mecklenburg-Vorpommern werden insgesamt sechs Radwegekirchen aufgeführt. Neben den beiden genannten sind dies:
- Hospital Bützow zum Heiligen Geist
- St. Johanniskirche Parchow bei Kühlungsborn
- Kirche Pantlitz bei Ribnitz-Damgarten
- Kirche Groß Mohrdorf auf Rügen
Die Initiative in Blankensee zeigt, wie historische Kirchengebäude durch kreative Nutzungskonzepte neue Bedeutung gewinnen können. Statt leer zu stehen, werden sie zu lebendigen Treffpunkten, die sowohl Touristen als auch Einheimischen zugutekommen. Sogar Nachbarn aus der Umgebung nutzten im vergangenen Jahr bereits das Angebot, um den ungewöhnlichen Service auszuprobieren.
Ein besonderes Highlight für Besucher ist ein kleiner, schwarzer Knopf in der Kirche. Wer ihn betätigt, bringt das gesamte Gebäude zum Klingen und erhält so eine sinnliche Erfahrung, die über die rein körperliche Erfrischung hinausgeht.



